Christian Bley : „Fiat steht für leistbare Mobilität“
Das erste Halbjahr hat sich für Fiat erfreulich entwickelt – sowohl bei den Pkw als auch bei den Nutzfahrzeugen. Innerhalb von Stellantis ist Fiat sogar die stärkste Marke. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für diesen Erfolg und welches Ziel verfolgen Sie bis zum Jahresende?
Wir sind mit dem ersten Halbjahr sehr zufrieden, speziell bei Fiat Professional, unserer Nutzfahrzeugmarke. Dies ist umso bemerkenswerter, da der Wegfall der NoVA sehr früh kommuniziert worden ist. Durch diese Ankündigung wurden viele Neuanschaffungen nach hinten verschoben, vor allem bei den schwereren Nutzfahrzeugen. Nichtsdestotrotz ist es uns gelungen, unseren Marktanteil um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu steigern. Das liegt vor allem an der hervorragenden Leistung unserer Händler, die in den vergangenen Monaten zahlreiche Schulungen durchlaufen haben. Fiat Professional bietet ein Komplettsortiment und kann damit jede Kundengruppe bedienen. Egal, ob es sich um einen Innenausbau für unterschiedliche Berufsgruppen, einen Kofferaufbau oder einen Kühltransporter handelt – mit unseren unterschiedlichen Kooperationspartnern sind wir in der Lage, wirklich alle Anforderungen erfüllen zu können. Wir sind also sehr gut unterwegs. Bei Fiat Professional haben wir uns den dritten Platz zurückerobert stehen aktuell bei einem Marktanteil von 10,2 Prozent, Tendenz steigend. Unser absolutes Zugpferd ist hierbei übrigens der Ducato. Auch im PKW-Bereich können wir ein Wachstum verzeichnen. Verantwortlich dafür ist unter anderem der Doblò, der sehr gut ankommt. Ein weiteres Zugpferd ist der Grande Panda, der ebenfalls gut anläuft. Es folgt ein weiterer Motor, der uns weiter Rückenwind geben wird. Ende des Jahres kommt der neue 500er mit Hybridantrieb, in den wir auch große Hoffnungen setzen. Über alle drei Marken – also Fiat, Fiat Professional und Abarth – streben wir bis Ende 2025 einen Marktanteil von drei Prozent an. Das ist realistisch, denn Fiat steht für leistbare Mobilität – sowohl im Pkw-Bereich als auch bei den Nutzfahrzeugen. Damit und mit unserem Portfolio sind wir sehr gut aufgestellt. Ein weiteres Ziel ist es, den KMU´s das Thema Elektromobilität näherzubringen. Das ist uns im ersten Halbjahr schon recht gut gelungen, hier wollen wir weiter ansetzen.
Die Kfz-Steuer für E-Autos wurde in diesem Jahr beschlossen. Macht sich das bei den Verkäufen schon bemerkbar? Vor allem bei Firmenkunden, die bislang die Hauptabnehmer von Elektroautos waren.
Aufgrund des Wegfalls des Sachbezugs waren Elektrofahrzeuge für Firmenkunden natürlich sehr interessant. Die neue Steuer macht sich jetzt schon ein wenig bemerkbar. Allerdings nicht so sehr, wie der Wegfall der staatlichen Förderungen. Fiat wird allerdings vorerst bis Jahresende weiterhin eine Importeursförderung anbieten. Abgesehen vom monetären Bereich wäre es meiner Meinung nach wichtig, andere Anreize für den Kauf elektrifizierter Modelle zu schaffen. Ein Beispiel wäre der Wegfall von Maut- oder Parkgebühren für Elektroautos, wie es in einigen skandinavischen Ländern üblich ist. Das würde die Attraktivität der Elektromobilität weiter steigern. Aber zurück zur Steuer: Bei uns hat sie keine riesigen Auswirkungen. Im Nutzfahrzeugbereich haben wir beispielsweise eine sehr hohe Elektroquote von rund 18 %. Insgesamt ist jeder vierte verkaufte Fiat elektrisch, wenn man Pkw und Nutzfahrzeuge zusammenfasst. Somit erfüllen wir in diesem Jahr auch unsere CO₂-Quote. Aber ja, vergleicht man jetzt die kompletten Kosten eines Elektrofahrzeugs mit denen eines Verbrenners, driften die Preise wieder auseinander. In den letzten Jahren ist es der Branche gelungen, Elektrofahrzeuge preislich an die Verbrenner anzugleichen. Das wird durch diese neue Steuer wieder schwieriger.
Stichwort Firmenkunden – wie sieht es hier bei Fiat aus und welche Modelle sind besonders gefragt?
Bei unseren Pkw-Modellen überwiegen natürlich die Privatkunden, der Mix liegt bei rund 70:30 Prozent. Wobei unsere kleineren Fahrzeuge auch zum Einsatz bei zum Beispiel Hilfs- und Pflegediensten kommen. Hier ist vor allem der Pandina sehr gefragt, unter anderem aufgrund seines sehr attraktiven Preises. Wird eher mehr Wert auf das Image des Unternehmens gelegt, erfreut sich der Fiat 500 großer Beliebtheit. Aber auch der Fiat 600 rutscht immer mehr in die eine oder andere Flotte hinein. Aktuell kommen sehr viele Anfragen zum neuen Topolino, der jetzt schon Kultstatus erreicht hat. Das Interesse kommt nicht nur von Firmen im innerstädtischen Bereich, sondern interessanterweise auch von Großfirmen, die den Topolino beispielsweise auf ihren Werksgeländen einsetzen möchten. Er ist einfach eine neue Form der Mobilität für gewisse Einsatzzwecke.
„Dem Kunden muss weiterhin die Wahl gelassen werden“Christian Bley, Managing Director Fiat
2035 ist das Aus für Diesel oder Benzin besiegelt. Was glauben Sie, wie lange dann noch Verbrenner gefahren werden und wie sieht hier der Plan bei Fiat aus? Es wird sicher noch weiterhin Verfechter von herkömmlichen Antrieben geben.
Es ist ein gewisser Trend erkennbar: Immer mehr Leute suchen Berührungspunkte mit der Elektromobilität. Das ist sehr deutlich zu sehen. Ein Grund dafür ist, dass die Reichweitenproblematik immer mehr in den Hintergrund gerät. Es gibt bereits Fahrzeuge, die bis zu 800 km ohne Ladestopp zurücklegen können. Auch die Ladeinfrastruktur wird immer besser und vor allem schneller. Das vereinfacht das Fahren mit Elektroautos und macht die Sache attraktiver. Aber natürlich gibt es nach wie vor Verfechter von Verbrennungsmotoren und es wird noch einige Jahre dauern, um komplett auf die Elektromobilität umzusteigen. Hier ist auch wieder die Politik gefragt, um gemeinsam die Wende zu schaffen. Wie zuvor schon erwähnt, unter anderem durch diverse Anreize. Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem die Elektromobilität zum Selbstläufer wird. Nichtsdestotrotz ist es für die Hersteller ein Riesenthema, wie lange Verbrenner noch gebaut werden. Der Markt muss jedes Jahr aufs Neue beobachtet werden, um zu sehen, wohin die Reise geht. Wichtig ist es, den Kunden weiterhin die Auswahl zu lassen, um alle Anforderungen bedienen zu können.
Apropos Alternativantrieb - neben rein elektrischen Nutzfahrzeugen wurde vergangenes Jahr angekündigt, auch Modelle mit Wasserstoff auf den Markt zu bringen. Nun werden alle fünf Wasserstoffstationen in Österreich geschlossen. Wie geht es hier weiter?
Der Konzern hat vor Kurzem bekannt gegeben, dass das Projekt „Wasserstoff“ vorerst eingestellt wird. Solange nicht abzusehen ist, dass das Netz ausgebaut wird, ist Wasserstoff keine Option. Das Thema ist prinzipiell ein sehr gutes, aber ohne passende Infrastruktur sinnlos. Bis eine flächendeckende Versorgung erreicht ist, wird es noch lange dauern.
„Der Wegfall der NoVA wird zu Verschiebungen führen“Christian Bley
Bleiben wir bei den Transportern. Seit 1. Juli ist die NoVA bei leichten Nutzfahrzeugen wieder Geschichte. Was erwarten Sie sich von dieser Änderung? Geht das zu Lasten der E-Modelle?
Betrachtet man die sogenannten „Total Life“-Kosten, also die Kosten über den gesamten Lebenszyklus hinweg, wird es aufgrund des um nun 10-15% günstigeren Anschaffungspreises zu Verschiebungen kommen. So wie bei den Pkw-Modellen konnten die Preise der E-Nutzfahrzeuge zuletzt an jene mit Verbrennungsmotor angeglichen werden, doch das ändert sich jetzt wieder. Je nach Einsatz kann es also wieder interessant sein, in einen Verbrenner zu investieren. Der Wegfall der NoVA war im europäischen Wettbewerb aber sehr positiv, weil Österreich bis dahin preislich benachteiligt war. Es ist also ein Thema mit Pro und Contra.
In Madrid läuft gerade ein Pilotprojekt von Free2move. Dafür wurden Fiat 500 Elektromodelle mit austauschbaren Batteriemodulen von Ample ausgestattet, die Fahrzeuge können mit dem Batteriewechselsystem innerhalb von weniger als fünf Minuten vollständig geladen werden. Diese Lösung maximiert die Verfügbarkeit der Flotte und senkt die Betriebskosten. Ist das auch für Österreich denkbar?
Aktuell ist es für Österreich noch nicht geplant. Zunächst wird die Pilotphase in Madrid beobachtet. Prinzipiell ist es ein sehr gutes Projekt. Es werden dazu spezielle Stationen errichtet – man kann es sich wie eine Tankstelle vorstellen –, wo man bei speziellen Ladesäulen die Batterie rasch und einfach tauscht. Beim Tausch überprüfen sich die Batterien selbst, wovon natürlich der Kunde profitiert. Er kann sicher sein, einen voll funktionsfähigen Akku zu erhalten.
Zum Abschluss die Frage, auf welche Neuheiten wir uns in den kommenden Monaten freuen dürfen und was Sie sich von den einzelnen Modellen erwarten.
Unser Highlight in diesem Jahr ist mit Sicherheit der Grande Panda in drei Ausführungen. Rein elektrisch, als Mildhybrid und als Verbrenner, der jetzt im September kommt. Dann freuen wir uns sehr auf den Cinquecento mit Hybridmotor, der bis Ende des Jahres auf den Markt rollen wird. Ein wenig länger dauert es bis zur Einführung des Grande Panda 4x4. 2026 wird die komplette Produktpalette um weitere zwei Modelle erweitert und bei Fiat Professional decken wir mit unserer relativ neuen Range alles ab.