Automobilproduktion

Erdogan will zum Otomobil-Präsidenten werden

Während in Deutschland die Automobilindustrie historisch gewachsen ein umsatzstarker und wichtiger Wirtschaftszweig ist, hat sich der türkische Präsident Erdogan auf die Fahnen geschrieben eigene Elektrofahrzeuge „Made in Türkiye“ ins Rennen zu schicken. Erste Prototypen der Marke „TOGG“ wurden nun der Öffentlichkeit präsentiert.

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© TOGG

Ist es ein Vorurteil zu sagen, dass zahlreiche junge Männer mit türkischen Wurzeln auf deutsche „Premium“-Marken wie Audi, BMW oder Mercedes abfahren? Letztens an der Tankstelle wurde dieses Klischee augenscheinlich zumindest bestätigt, als ich als privilegierter Automobil-Redakteur mit einem neuen BMW M135i in auffälligem „Melbourne Rot metallic“ um die Ecke gefahren kam. Doch schon bald könnten es auch türkische Fahrzeuge sein, die hierzulande für interessierte Blicke sorgen.

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Ist es ein Vorurteil zu sagen, dass zahlreiche junge Männer mit türkischen Wurzeln auf deutsche „Premium“-Marken wie Audi, BMW oder Mercedes abfahren? Letztens an der Tankstelle wurde dieses Klischee augenscheinlich zumindest bestätigt, als ich als privilegierter Automobil-Redakteur mit einem neuen BMW M135i in auffälligem „Melbourne Rot metallic“ um die Ecke gefahren kam. Doch schon bald könnten es auch türkische Fahrzeuge sein, die hierzulande für interessierte Blicke sorgen.

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Dass sich der türkische Präsident Präsident Recep Tayyip Erdogan gerne als „Otomobil-Präsident“ positioniert, ist schon längerem kein Geheimnis. Angekündigt wurde das Projekt zur Fertigung türkischer Fahrzeuge im November 2017 und soll als Beweis für die wachsende Wirtschaftskraft des Landes dienen. Tatsächlich laufen zahlreiche Modelle namhafter Autobauer bereits seit einigen Jahren in der Türkei vom Band. Doch eigene konkurrenzfähige Fahrzeuge, die fehlten bislang. Das soll sich ändern. 

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Der „60 Jahre alte Traum der Türkei“ ist wahr geworden, verkündete der Präsident Erdogan am Freitag bei einer Großveranstaltung in Gebze bei Istanbul. Dabei ging es um die Präsentation von Prototypen der Türkischen Automobil-Initiativgruppe TOGG (Türkiye’nin Otomobili). TOGG ist ein Joint Venture von fünf Firmen und einer Interessenvertretung für Industrieunternehmen und Börsen. Erste Bilder eines Elektro-SUVs sorgen nun für reges Interesse. Aktuell ist das Fahrzeug noch namenlos, im kommenden Jahr wird dieser bekanntgegeben. Beim Elektro-SUV soll es nicht bleiben, insgesamt sind fünf Modelle geplant.

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In gewohnt provozierender Manier sagte Erdogan bei seiner Rede in Gebze: "Die Türkei verdiene Besseres, als die Autos anderer Hersteller zusammenzusetzen". Einen guten Start legte die landeseigene Automobilbranche in den 1960er-Jahren zunächst aber nicht hin. Erste Versuche die türkische Eigenmarke "Devrim" zu etablieren sind rasant gescheitert. Ein großes Problem stellte damals die fehlende Zuliefererindustrie dar. Auch die Marke "Anadol" aus dem Jahr 1966, deren Designideen vom britischen Hersteller Reliant und die Technik von Ford stammte, hielt sich nur bis 1986. Heute fertigt "Ford Otosan" unter anderem das Nutzfahrzeug "Transit Connect".

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In einem am Freitag im "Staatsanzeiger" veröffentlichten präsidialen Dekret heißt es, dass die türkischen Fahrzeuge in der nordwesttürkischen Stadt Bursa hergestellt werden sollen. Bis zu 175.000 Autos sind dort jährlich vorgesehen. Das Investitionsvolumen beträgt demnach 22 Milliarden Lira (rund 3,3 Milliarden Euro). Die Regierung unterstützt das Projekt finanziell. Es ist auch die Rede von Garantien für die Abnahme von 30.000 Elektroautos bis Ende 2035. An dem Bau des Fahrzeuges sollen über 4000 Arbeiter beschäftigt sein. 

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Der Automobilindustrie in der Türkei, wo auch Firmen wie Ford, Fiat Chrysler, Renault, Toyota und Hyundai produzieren, ging es zuletzt schlechter. 2018 war unter anderem wegen einer Währungskrise der Binnenmarkt eingebrochen. 2019 hatte zudem Volkswagen wegen der Militäroffensive der Türkei im Norden Syriens Pläne für ein Werk im westtürkischen Manisa auf Eis gelegt. Eigene türkische Fahrzeuge sollen offenbar die angespannte Wirtschaftslage ausgleichen. 

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Der Chef des türkischen Zuliefererverbandes der Industrie, Alper Kanca, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag: "Dass die Regierung gewisse Absatzzahlen verspricht und Geld für die Investition bereithält, zeigt, dass das nicht nur ein Projekt zum Stimmenfang ist". Kurzfristig könne das Projekt der Industrie in ihrer schwierigen Lage nicht helfen, weil das Auto ja erst 2022 in Serienproduktion gehen solle. "Aber wenn alles gut läuft, werden wir in drei Jahren davon profitieren."

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Kanca sagte, der Erfolg werde auch davon abhängen, wie hoch die traditionell saftigen Steuern auf den türkischen Wagen ausfallen. Wie teuer die Elektrofahrzeuge sein sollen, blieb zunächst unklar. Neben einem E-SUV soll zunächst eine Limousine auf den Markt kommen. In den kommenden Jahren könnten dann wohl größere SUVs folgen. 

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