Rückblick

Daimlers G-Klasse wird 40 Jahre alt - Magna Steyr darf auch feiern

Für die Mercedes-Benz G-Klasse ging die Erfolgskurve steil bergauf. Nun feiert sie ihren bedeutsamen Vierziger. Selbst Papst Johannes Paul der II. stand auf den Geländewagen. Grund genug, die Geschichte des Fahrzeuges etwas näher zu beleuchten.

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Daimler konzipierte die G-Klasse für den furchtlosen Ritt über Stock und Stein, Schnee und Eis, Geröll und Steilhang - und weiß sonst noch was. Geländegängigkeit hatte für das Fahrzeug, das 1979 seine Markteinführung erlebte, schon immer oberste Priorität. Anders hätte es sich gegen die schonungslose Konkurrenz über eine Zeitspanne von vierzig Jahren auch nicht behaupten können. 

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Daimler konzipierte die G-Klasse für den furchtlosen Ritt über Stock und Stein, Schnee und Eis, Geröll und Steilhang - und weiß sonst noch was. Geländegängigkeit hatte für das Fahrzeug, das 1979 seine Markteinführung erlebte, schon immer oberste Priorität. Anders hätte es sich gegen die schonungslose Konkurrenz über eine Zeitspanne von vierzig Jahren auch nicht behaupten können. 

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Es musste sich um einen überzeugend robusten Geländewagen handeln, dass sogar Papst Johannes Paul II. die G-Klasse auf zahlreichen Reisen zu seinem "Papamobil" machte. Auf dem Foto ist das Modell 230 G mit entsprechendem Sonderaufbau zu sehen, durch den Paul II. stehend der Menge zuwinken konnte. Mercedes-Benz stellte dem Papst das Fahrzeug erstmals für dessen Deutschlandbesuch im Spätherbst 1980 zu Verfügung.

© Lukas Klamert

Doch auch die Entwicklungsgeschichte der G-Klasse ist interessant, denn sie führt sogar bis nach Österreich. Die Wurzeln des Geländewagens reichen bis in den Sommer 1969 zurück. Damals nehmen Daimler-Benz und Steyr-Daimler-Puch Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit auf. Naheliegend, denn beide Hersteller hatten zur damaligen Fahrzeuge mit exzellenten Geländeeigenschaften im Programm: den Mercedes-Benz Unimog sowie den Puch Haflinger und den Puch Pinzgauer - eine Baureihe, die bis heute beim österreichischen Bundesheer in Verwendung ist. 

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1971 wird erstmals die Idee konkretisiert, gemeinsam einen Geländewagen zu bauen. Die Anforderungen sind hoch: er soll extreme Offroad-Eigenschaften mit gutem Fahrverhalten auf der Straße verbinden. Im Herbst 1972 dürfte es dann soweit gewesen sein und beide Unternehmen haben den Beschluss gefasst, zusammen an einem leichten Geländefahrzeug zu tüfteln. Die Leitung des Konstruktionsteams übernahm Erich Ledwinka, damaliger Chefingenieur von Steyr-Daimler-Puch. 

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Nun geht die Entwicklung mit Kraft voran. Das erste Holzmodell entsteht bis April 1973. Bereits 1974 wird der erste fahrbereite Prototyp erprobt. Die endgültige Gestaltung mit der klaren Silhouette legt das Mercedes-Benz-Design um Bruno Sacco fest. Die Stilisten verbinden die großen, glatten Flächen der Karosserie gekonnt mit den technisch vorgegebenen Eigenschaften wie großen Böschungswinkeln an Front und Heck sowie einer vergleichsweise großen Fahrzeughöhe bei eher schmaler Gesamtbreite. 

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Gebaut wird das G-Modell von Anfang an im Puch-Werk Graz-Thondorf. In der Steiermark wird seit Mai 2018 auch die neue G-Klasse der Baureihe 463 gefertigt. Mercedes-Benz liefert seit 1979 aus verschiedenen Standorten in Deutschland unter anderem Motoren, Achsen, Lenkung und Karosserie-Großpressteile nach Graz. Die Serienproduktion läuft im Februar 1979 kurz nach der Weltpremiere an. Verantwortlich dafür zeichnet die 1977 von beiden Unternehmen gegründete Geländefahrzeug Gesellschaft (GfG).

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Auf den Markt kommt der "G" zunächst als Baureihe 460: ein universell einsetzbarer Geländewagen mit vergleichsweise nüchternem Interieur und viel Detailarbeit in der Antriebstechnik. Für optimale Geländeeigenschaften sorgen der serienmäßige, zuschaltbare Allradantrieb mit Längssperre sowie optionale Differenzialsperren an Vorder- und Hinterachse, die ab 1985 Serienausstattung sind. Erhältlich sind die Typen 240 GD und 300 GD mit Dieselmotor sowie 230 G und 280 GE mit Ottomotor. Es gibt zwei Radstände: 2.400 und 2.850 Millimeter. 

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Schon bald nach der Markteinführung beginnt ein kontinuierlicher Weiterentwicklungsprozess des G-Modells. Zu den wichtigen Schritten gehören unter anderem die serienmäßige Servolenkung (zunächst im 280 GE und 300 GD, ab 1987 in allen Typen) und serienmäßige Differenzialsperren (1985) ebenso wie die Einführung eines geregelten Dreiwege-Katalysators (ab 1986 zunächst als Sonderausstattung beim 230 GE) und des Anti-Blockier-Systems (ABS) ab 1990 in der Baureihe 463. 

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Für die Optimierung von Komfort und Sicherheit steht unter anderem eine ab 2001 serienmäßige Kombination leistungsfähigster Fahrdynamik- und Allradsysteme: Sie besteht aus dem elektronisch gesteuerten Traktionssystem 4ETS, dem Elektronischen Stabilitäts-Programm (ESP) und dem Bremsassistenten BAS.

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Insbesondere große Modellpflege-Maßnahmen lassen die Technik wichtige Entwicklungssprünge machen. So kommt zum Beispiel 1990 die Baureihe 463 mit permanentem statt dem bis dahin zuschaltbaren Allradantrieb auf den Markt. In der Folgezeit kommen in der G-Klasse Achtzylindermotoren und sogar Zwölfzylinder zum Einsatz. Gleichzeitig pflegt Mercedes-Benz die Traditionslinie des "G" als vielseitiges Nutzfahrzeug. Diese Rolle übernimmt 1990 zunächst weiterhin die Baureihe 460 und ab 1992 dann die Baureihe 461. Später tragen die Professional-Varianten der G-Klasse diese Fähigkeiten weiter.

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1979 darf sich der Fahrer noch über griffgünstige Drucktastenschalter sowie die Regler für Heizung und Lüftung freuen. In der Mitte der Armaturentafel gehörten zur gehobenen Innenausstattung zudem Formschaumteile, die Blechflächen abdeckten. Die Tradition exklusiver Ausstattung begann mit feinen Details wie Recaro-Einzelsitzen für Fahrer und Beifahrer, die bereits 1981 als Sonderausstattung zu haben waren. Serienmäßig aufgewertet wird das Interieur 1982. Mit der Baureihe 463 im Jahr 1990 kommen dann Edelholz-Applikationen in den damals elf Jahre jungen Geländeklassiker. 

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Ein Höhepunkt ist der ab 1993 in Kleinserie gebaute Mercedes-Benz 500 GE mit V8-Motor. Ab 1998 wird dann der G 500 das neue Topmodell der Mercedes-Benz G-Klasse, wie die Geländewagenfamilie seit 1993 heißt. Damit folgt die Nomenklatur der G-Klasse dem in den anderen Mercedes-Benz-Baureihen etablierten System, wo ein Buchstabe oder eine Buchstabenkombination die Klassenzugehörigkeit nennt und einer dreistelligen Zahl voransteht. 

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Ein erfolgreiches Kapitel beginnt 1999: In diesem Jahr wird der G 55 AMG zum neuen Topmodell der Baureihe 463. Er begründet den anhaltenden Erfolg der G-Klasse von Mercedes-AMG. Weitere Maßstäbe setzen hier unter anderem der G 55 AMG Kompressor (2004), der G 63 AMG und der G 65 AMG (beide 2012), der G 63 AMG 6x6 (2013) und schließlich der im Februar 2018 präsentierte Mercedes-AMG G 63 der neuen G-Klasse. 

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Die neue Generation der Baureihe 463 feierte im Jänner 2018 auf der Autoshow in Detroit ihre Weltpremiere. Es wurde erneut an den Fahreigenschaften des Geländewagens geschliffen. Das neue Modell besitzt ein von Mercedes-Benz und Mercedes-AMG gemeinsam entwickeltes Fahrwerk mit Starrachse hinten und Doppelquerlenker-Vorderachse mit Einzelradaufhängung. Äußerlich will sich Daimler nicht zu weit vom Original entfernen: Einer G-Klasse sollen auch auf den ersten Blick die Gene aus dem Jahr 1979 anzusehen sein.

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Kooperativ geht es bei der Produktion der G-Klasse bis heute zu: Vom Band läuft das neue Fahrzeug der Baureihe 463 seit Mai 2018 in Graz bei Magna Steyr. Im Mai 2018 lief zugleich im Mercedes-Benz Werk Kassel die Produktion der Achsen für die neue Mercedes-Benz G-Klasse der Baureihe 463 an. 

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Mercedes-Benz hat zum 40er seines Geländewagens eine rot-weiße Geburtstags-Edition auf den Markt gebracht. Passend dazu zeigt das Mercedes-Benz Museum anlässlich des Jubiläums 125 Jahre VfB Stuttgart von September 2018 bis zum 2. April 2019 die Sonderausstellung „Bewegt seit 1893: 125 Jahre VfB Stuttgart“.