Renault-Österreich-Generaldirektor Ralf Benecke : „Wir liefern eine starke Performance“
Ralf Benecke, Generaldirektor Renault Österreich GmbH
- © Renault Österreich Bei Renault läuft es derzeit unbestritten gut. Vor allem bei den Privatkunden, wo man einen Marktanteil von 5,1 Prozent im ersten Halbjahr erreicht hat. Was sind die Gründe für diesen Erfolg und wie sieht es im Firmenkundenbereich aus?
Ralf Benecke Renault zeigt aktuell eine starke Performance – und das in mehreren Bereichen. Im Privatkundenmarkt konnten wir einen Marktanteil von 5,1 % (Jan.-Aug. 2025) erreichen und liegen damit auf Platz 5. Besonders erfreulich ist, dass der neue Renault 5 bereits das meistverkaufte Modell unserer Marke im Jahr 2025 in Österreich ist – mit über 1.600 Einheiten. Was wir bei den neuen Elektrofahrzeugen wie dem Renault 5 und Renault 4 beobachten, ist besonders erfreulich: Sie sprechen unsere Kundinnen und Kunden nicht nur rational an – etwa durch Reichweite, Effizienz oder Preis –, sondern auch emotional. Für mich persönlich ist der Renault 5 ein echter Game-Changer. Mit seinem ikonischen Design, dem modernen Innenraum und dem Fahrgefühl schafft er eine Verbindung, die viele Menschen begeistert. Und genau diese Begeisterung kann den entscheidenden Impuls geben, den Schritt in die Elektromobilität zu gehen. Das freut uns sehr, denn es zeigt, dass Elektromobilität nicht nur eine technische, sondern auch eine emotionale Entscheidung sein kann. Unsere aktuelle Modellpalette ist eine der modernsten am Markt und steht für Innovationskraft und den Mut, neue Wege zu gehen. Das spiegelt sich nicht nur im Privatkundengeschäft wider, sondern auch bei den Firmenkunden. Besonders im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge konnten wir im August ein Wachstum von 44 % verzeichnen – ein gutes Zeichen dafür, dass unsere Angebote auch hier überzeugen. Die Nachfrage steigt, insbesondere auch bei den elektrischen Nutzfahrzeugen, was uns in unserer Strategie bestätigt. Es ist schön zu sehen, dass sich Renault in allen Segmenten positiv entwickelt. Wir konnten einen Marktanteil von 7,8 % - Platz 5 - bei den leichten Nutzfahrzeugen erreichen (Jan.-Aug. 2025).
Für den Erfolg einer Marke ist natürlich vorrangig das Händlernetz verantwortlich. Hier dürfte die Chemie also stimmen?
Wir haben in Österreich ein unglaublich motiviertes und gut ausgebautes Händlernetz. Das ist einer der Erfolgsgrundlagen für einen funktionierenden Vertrieb. Die Begeisterung der Händler und natürlich der Verkäufer überträgt sich auf die Kunden, das konnte ich bereits feststellen. Das wirkt sich auf sämtliche Bereiche aus und ist extrem wichtig. Aber natürlich hat das auch damit zu tun, dass wir die jüngste Modellpalette anbieten und sehr viel Emotionen hinter unseren Produkten stecken.
Besonders hervorzuheben ist der Renault 5 E-Tech Electric, der zum "Auto des Jahres 2025" gekürt wurde und sich als Nummer eins in seinem Segment bei Elektrofahrzeugen behauptet. Was macht ihn so erfolgreich?
Der Renault 5 verkörpert die perfekte Symbiose aus Vergangenheit und Zukunft. Mit seinem ikonischen Retro-Design, das liebevoll an das Original erinnert, und gleichzeitig mit modernster Elektrotechnik ausgestattet, ist er mehr als nur ein Auto – er ist ein Statement. Die klaren Linien, die markanten LED-Elemente und die kompakte, urbane Silhouette machen ihn zum echten Hingucker auf der Straße. Innen überzeugt er mit einem hochwertigen, digitalen Cockpit, intuitiver Bedienung und einem Raumgefühl, das überrascht. Der R5 ist charmant, charakterstark und voller Persönlichkeit – ein Fahrzeug, das Emotionen weckt und Lust auf die Zukunft macht. Für viele ist er der Einstieg in die Elektromobilität, für andere einfach ein Auto, das Freude macht. Für mich ist er beides.
Was wird die neue Kfz-Steuer für E-Fahrzeuge bewirken? Merkt man schon Auswirkungen diesbezüglich bzw. befürchten Sie tendenziell einen Rückgang bei den Verkäufen? Noch ist da bei Renault nichts zu bemerken.
Die Einführung der motorbezogenen Versicherungssteuer für Elektrofahrzeuge ab 1. April 2025 ist natürlich ein nicht ganz nachvollziehbarer Schritt. Bislang waren E-Autos von dieser Steuer befreit – jetzt wird sie auf Basis von Nenndauerleistung und Eigengewicht berechnet. Für viele Modelle bedeutet das eine jährliche Zusatzbelastung von mehreren hundert Euro. Trotz dieser neuen Rahmenbedingungen sehen wir bei Renault aktuell keine negativen Auswirkungen auf die Nachfrage. Im Gegenteil: Der Renault 5 E-Tech Electric ist für uns ein Erfolg und auch der neue Renault 4 kommt sehr gut an. Mit der Einführung des neuen Renault Twingo im Jahr 2026 sehen wir auch keine Auswirkungen aufgrund der Steuer. Als kompaktes A-Segment-Fahrzeug bleibt er für viele Kundinnen und Kunden eine attraktive und wirtschaftliche Option für den Einstieg in die Elektromobilität.
„Die neuen Transporter leisten einen wichtigen Beitrag zur Energiewende“Ralf Benecke, Generaldirektor Renault Österreich GmbH
Kommen wir zu den Transportern – ein wichtiges Thema bei Renault. Unter anderem gewann der Master den internationalen „Van of the Year“ Award. Und: eine neue Generation von E-Fahrzeugen scharrt mit Estafette, Goelette und Trafic in den Startlöchern. Was zeichnet diese Fahrzeuge aus und wie läuft es generell im Transportersektor?
Mit den neuen vollelektrischen Nutzfahrzeugen Trafic, Goelette und Estafette, die in der zweiten Jahreshälfte 2026 auf den Markt kommen, beginnt für Renault eine neue Ära im gewerblichen Mobilitätssegment. Diese Modelle sind nicht nur technisch auf dem neuesten Stand – sie wurden von Grund auf als sogenannte Software-Defined Vehicles (SDV) konzipiert und bieten damit ein Höchstmaß an Flexibilität, Konnektivität und Zukunftssicherheit. Was diese Fahrzeuge besonders macht, ist ihre gemeinsame Plattform: eine vollelektrische Skateboard-Architektur mit 800-Volt-Technologie für ultraschnelles Laden. Damit lassen sich die Batterien in weniger als 20 Minuten von 15 auf 80 Prozent aufladen – ein echter Vorteil im Arbeitsalltag. Zudem stehen zwei Batterieoptionen zur Verfügung: eine LFP (Lithium-Eisenphosphat)-Variante für den urbanen Einsatz mit 60kWh Kapazität und eine NMC (Nickel-Mangan-Cobalt)-Version für Langstrecken mit 80kWh Kapazität bis zu 450 km Reichweite. Jedes Modell hat seine eigene Identität: Der neue Trafic E-Tech Electric ist ein echter Allrounder mit kompakten Abmessungen, hoher Wendigkeit und einem modernen, aerodynamischen Design. Der Goelette richtet sich an Flotten- und Gewerbekunden mit speziellen Anforderungen – er ist als Fahrgestell, Kastenwagen oder Kipper erhältlich und bietet maximale Umbauflexibilität. Und die Estafette, inspiriert vom historischen Modell, ist ideal für den urbanen Lieferverkehr: kompakt, robust und mit cleveren Details wie einer unsichtbar integrierten Schiebetür und einem ergonomischen Innenraum. Diese neue Transporter-Generation zeigt, wie ernst Renault das Thema nachhaltige Mobilität für Unternehmen nimmt. Wir sind überzeugt, dass Trafic, Goelette und Estafette einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität leisten und gleichzeitig den Alltag unserer Geschäftskunden erleichtern werden.
Bleiben wir beim Thema: Positiv ist der Umstand, dass die NoVa für leichte Nutzfahrzeuge wieder abgeschafft worden ist. Was erwarten Sie sich von dieser Maßnahme?
Natürlich begrüßen wir grundsätzlich jede Maßnahme, die den Umstieg auf nachhaltige Mobilität erleichtert oder wirtschaftlich sinnvoll gestaltet. Dennoch muss man sagen: Die Einführung der motorbezogenen Kfz-Steuer für Elektrofahrzeuge und die Abschaffung der NoVA für leichte Nutzfahrzeuge bei Verbrennern sorgt bei vielen Kundinnen und Kunden für Verunsicherung. Es fehlt an Kontinuität und klarer strategischer Ausrichtung. Von Vorteil ist die Abschaffung der NoVA und somit auch eine finanzielle Entlastung für Unternehmen, die auf Transporter und Lieferfahrzeuge angewiesen sind. Gerade für kleine und mittlere Betriebe, die oft mit engen Budgets kalkulieren müssen, ist das ein Signal. Für uns als Hersteller ist Planbarkeit entscheidend – und für unsere Kundinnen und Kunden ebenso. Wenn Förderungen und steuerliche Rahmenbedingungen sich rasch und teils widersprüchlich ändern, erschwert das Investitionsentscheidungen, gerade im gewerblichen Bereich. Wir hoffen daher, dass künftige Maßnahmen stärker auf langfristige Stabilität und klare Zielsetzungen ausgerichtet sind. Elektromobilität braucht Vertrauen – und das entsteht durch Verlässlichkeit.
Generell gesprochen: merkt man aktuell eine gewisse Kaufzurückhaltung aufgrund der nach wie vor wirtschaftlich angespannten Situation?
Themen wie Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und Unsicherheit bei Förderungen oder steuerlichen Rahmenbedingungen wirken sich direkt auf die Kaufbereitschaft aus. Für uns als Importeur ist das ein klarer Auftrag: Wir müssen mit attraktiven Produkten, transparenten Angeboten und verlässlicher Beratung Vertrauen schaffen. Gerade in solchen Zeiten sind klare Botschaften, stabile Rahmenbedingungen und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis entscheidend. Die Nachfrage ist da – aber sie braucht Orientierung und Sicherheit.
Renault setzt sich stark für die Elektromobilität ein. Aber glauben Sie wirklich, dass ab 2035 keine Verbrenner mehr auf den Markt kommen werden? Wie sieht der Plan bei Renault aus, sollten die Konsumenten hier nicht mitspielen?
Renault hat sich früh und konsequent zur Elektromobilität bekannt – und wir stehen auch weiterhin voll hinter dem Ziel, bis 2030 schon keine Verbrennerfahrzeuge mehr auf den Markt zu bringen. Dieses Ziel ist ambitioniert, aber notwendig, wenn wir die Klimaziele ernst nehmen. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass der Wandel nicht allein von der Industrie ausgehen kann – er braucht auch die Akzeptanz der Konsumentinnen und Konsumenten sowie eine verlässliche politische und infrastrukturelle Begleitung. Sollte sich zeigen, dass der Markt in bestimmten Segmenten oder Regionen langsamer reagiert als erwartet, haben wir bei Renault einen klaren Plan: Wir setzen auf Technologieoffenheit innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen.. Aber unser Fokus bleibt klar auf der Elektromobilität. Der Erfolg des Renault 5 und die Nachfrage nach elektrischen Nutzfahrzeugen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Letztlich geht es nicht nur um Verbrenner oder Elektro – es geht um die Zukunft der Mobilität. Und die gestalten wir aktiv mit.
Kommen wir zum Thema Mobilize Charge Pass und dem neuen Monats Abo. Wie hat sich diese vierte Marke bisher entwickelt? Sie richtet sich vor allem an Privatkunden – was ist mit den Firmenkunden?
Mobilize hat sich in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt und ist die vierte Marke der Renault Group. Sie ist ein eigenständiger Mobilitätsanbieter mit einem klaren Fokus auf die Bedürfnisse moderner Kundinnen und Kunden. Der Mobilize Charge Pass und das neue Monatsabo sind zentrale Bausteine dieser Strategie. Mit Zugang zu über 1 Million Ladepunkten in 28 Ländern und attraktiven Tarifen. In Österreich können wir mit dem Mobilize-Charge Pass 97% abdecken und bieten einen echten Mehrwert für alle, die elektrisch unterwegs sind.
Und zum Schluss: welche Modelle dürfen wir in naher Zukunft erwarten?
Obwohl wir die jüngste Modellpalette Europas haben und in den vergangenen Monaten zahlreiche neue Fahrzeuge auf den Markt gebracht haben, ist es damit nicht getan. So bringen wir beispielsweise eine Van Variante des Renault 4. Weiters kommt nächstes Jahr der neue Twingo – eine weitere Neuauflage eines Klassikers. Nicht zu vergessen der Clio, der 2026 als Hybrid kommen wird.. 2026 wird ein spannendes Jahr auch für Dacia: Mit dem Facelift für Sandero, Sandero Stepway und Jogger sowie weiteren Überraschungen im Modellportfolio setzen wir neue Impulse. Nicht zu vergessen unsere Marke Alpine, da kommt die A390 im Frühjahr 2026 zu uns.