Elektromobilität Österreich : Interview mit Christian Bley, Managing Director Leapmotor Austria

Christian Bley, Managing Director von Leapmotor Austria, im Gespräch über Marktstart und Wachstum der Marke in Österreich.

Christian Bley, Managing Director von Leapmotor Austria, im Gespräch über Marktstart und Wachstum der Marke in Österreich.

- © FOTObyHOFER

Leapmotor ist erst seit relativ kurzer Zeit in Österreich aktiv – welche Meilensteine haben Sie seit dem Marktstart bereits erreicht. Und wo sehen Sie aktuell den größten Hebel für ein weiteres Wachstum?

Das Firmenkundengeschäft spielt eine wichtige Rolle. Wir sind sehr positiv gestimmt, denn nach unserem Marktstart im März 2025 konnten wir im ersten Jahr bereits mit ca. 1.200 Kaufverträge mit rund 900 Auslieferungen abschließen. Mittlerweile sind unsere Fahrzeuge im Straßenverkehr sichtbar, Leapmotor ist also immer mehr Menschen ein Begriff. Die ersten Monate waren somit ein voller Erfolg. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt – zeitgleich mit dem Auslaufen der E-Prämie – gestartet sind. Zudem war unklar, ob sie noch einmal kommen würde. Das hat natürlich bei den Kunden generell zu einer gewissen Kaufzurückhaltung geführt. Insofern sind wir mit unserer Performance mehr als zufrieden. 

Das hat natürlich auch mit dem flächendeckenden Händlernetz zu tun, mittlerweile haben wir 35 Standorte über ganz Österreich verteilt. Zudem freut es uns, dass wir mittlerweile auch bei den B2B-Kunden Fuß fassen konnten. So kommt unser kleinstes Modell, der T03, beispielsweise bei Lieferdiensten oder bei Hilfsorganisationen wie der Caritas gut an. 

Auch der C10 findet viel Anklang und wird bereits im Baugewerbe, bei Außendienstmitarbeitern sowie bei IT-Firmen und ähnlichen Unternehmen eingesetzt. Nicht zu vergessen ist der B10, der Ende letzten Jahres auf den Markt gekommen ist. Unser ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis spricht einfach für unsere Modelle. Generell sehen wir sowohl im Privatkunden- als auch im B2B-Sektor ein großes Wachstumspotenzial. Bei Letzterem vor allem aufgrund der Company Policies vieler Unternehmen. Hier punkten unsere Modelle, da sie in das Price-Setting passen. Aber auch Themen wie Ladegeschwindigkeit und Reichweite spielen hier eine große Rolle. 

„Wir sind eine preisgünstige EV-Marke mit hohem Technologieanspruch“
Christian Bley, Managing Director Leapmotor Austria

Wo sehen Sie Leapmotor im österreichischen Markt positioniert – als preisorientierte EV-Marke, als technologiegetriebener Anbieter oder als Vollsortimenter im Aufbau?

Leapmotor sieht sich absolut als preisgünstige EV-Marke mit hohem Technologieanspruch aber nicht im High-End Premium Bereich. Wir sind die Marke für leistbare Elektromobilität. Manche wissen, dass Leapmotor in China auch High-End Premium Produkte im Angebot hat. Aktuell ist es aber nicht geplant, diese nach Europa zu bringen. Denn wenn wir Fahrzeuge in der Upper Class anbieten, verändert sich die Preisstruktur und auch unsere Strategie. Da müsste man sich fragen, ob es Sinn macht. 

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Kommen wir noch einmal zu den Fuhrparkkunden – welche strategische Bedeutung hat das Flottengeschäft für Leapmotor in Österreich und welchen Anteil am Gesamtabsatz streben Sie mittelfristig an?

Wie bereits erwähnt, spielt das Firmenkundengeschäft eine wichtige Rolle für uns. Aktuell liegt der Anteil bei rund 30 % im Vergleich zu den Privatkunden. Hier wollen wir mehr Fuß fassen und Zuwächse erreichen. Dazu sind wir mit unterschiedlichen Aktionen vor Ort bei den Kunden unterwegs. Es ist extrem wichtig, die Fahrzeuge erlebbar zu machen und die Pluspunkte, wie die Ladegeschwindigkeit, zu demonstrieren. Wir haben die für uns wichtigen Zielgruppen definiert und sind jetzt dabei, diese auszubauen. Dazu zählen unter anderem Pflegedienste, wie zuvor schon erwähnt. Aber auch die Taxi-Community ist eine wichtige Gruppe für uns. Seit dem 1. Januar 2025 dürfen in Wien nur noch Taxis mit Elektroantrieb zugelassen werden. Hier sind die Modelle von Leapmotor sehr gefragt.

„Wir haben ein zentrales Pricing für ganz Europa“
Christian Bley, Managing Director Leapmotor Austria

Ein wichtiges Thema im Flottenbereich sind die TCO´s. Wie positioniert sich Leapmotor bei Betriebskosten, Garantie, Wartung und Energieverbrauch im Vergleich zu etablierten Herstellern?

Grundsätzlich bieten wir ab Werk eine Garantie von vier Jahren, diese kann gegen einen geringen Aufpreis auf bis zu neun Jahre erweitert werden. Rund 40% unserer Kunden nutzen diese Möglichkeit auch – sie macht nicht nur Sinn hinsichtlich der TCO´s, auch der Restwert bleibt deutlich höher. Nachdem die meisten Firmenfahrzeuge drei bis vier Jahre im Einsatz sind, können sie danach mit voller Garantie und Deckung weiterverkauft werden. 

Die Themen Restwert und Wiederverkauf sind entscheidend für Leasing und Flottenkalkulation. Wie wollen Sie hier Vertrauen in die langfristige Wertstabilität einer neuen Marke aufbauen?

Wir legen großen Wert darauf, gute und faire Preise anzubieten. Am wichtigsten ist jedoch, dass die Fahrzeuge nicht von vornherein „verschleudert“ werden. Werden sie von Beginn an stark vergünstigt angeboten, hat das auch Auswirkungen auf den Restwert. Hinsichtlich der Preisgestaltung gibt es außerdem ein zentrales Pricing für ganz Europa. Auch, um Price Dumping zu vermeiden. Dieses ist – mehr oder weniger – in allen europäischen Ländern dasselbe. Abgesehen natürlich von Faktoren wie der Mehrwertsteuer oder länderspezifischen Förderungen. Auch dadurch wird der Restwert stabiler gehalten.

Speziell für Flottenkunden ist die Servicefähigkeit im Alltag extrem wichtig. Wie ist Leapmotor hier in Österreich aufgestellt? 

Das ist ein sehr wichtiger Punkt: Der Kunde muss auf jeden Fall mobil bleiben. Zum Vertragsstandard gehört, dass Ersatzfahrzeuge vorhanden sein müssen. Ebenso wichtig ist, dass die Versorgungssicherheit mit Ersatzteilen gewährleistet ist. Diese sind neben dem Zentrallager in ganz Europa vorrätig, allein in Österreich haben wir vier Lager. Darüber hinaus steht eine App von Leapmotor zur Verfügung, mit der alle wichtigen Punkte abgedeckt werden können. Sie enthält Serviceinformationen ebenso wie Informationen zum Fahrzeugsharing innerhalb eines Pools. Wenn ein Fahrzeug innerhalb einer Firma von bis zu zehn Personen – ein Hauptverwalter und neun Nutzer – verwendet wird, ist auch kein Schlüssel mehr erforderlich. Alles geht über diese App. Das gilt auch für die Fahrzeugortung, die besonders praktisch ist, wenn man nicht weiß, wo der vorige Kollege das Auto abgestellt hat.

„Versorgungssicherheit mit Ersatzteilen ist garantiert“
Christian Bley, Managing Director Leapmotor Austria

Welche Angebote gibt es seitens Leapmotor für Flottenkunden hinsichtlich Leasing bzw. auch Full-Service?

Wir bieten sämtliche Leasingvarianten wie Full-Service oder Operating Leasing, sodass der Kunde bis zu drei Jahre ohne Restwertrisiko fahren kann. Hier arbeiten wir mit unserer Stellantis Bank bzw. unserer Leasing Company Leasys zusammen.

Wie läuft es eigentlich mit dem Online-Verkauf, der vergangenes Jahr gestartet ist?

Dieses Angebot ist sehr wohl genutzt worden, trotzdem liegt die Präferenz immer noch bei der Beratung durch den Händler vor Ort. Natürlich auch, weil es eine neue Marke ist und die Kunden mehr an Informationen haben möchten. Vereinzelt wird immer noch darauf zugegriffen, hauptsächlich von Privatkunden.

Welche neuen Modelle oder Varianten sind für Österreich in den kommenden Monaten geplant. Und: werden weitere Fahrzeuge mit Range Extender gebracht?

Wir sind gerade in den Vorbereitungen für den kleineren SUV, den B10, der auch als Range Extender zu haben ist. Weiter geht es mit dem B05, einem schnittigen Sportfahrzeug, den wir Ende Mai, Anfang Juni erwarten. Im frühen Herbst schließlich rollt der B03X in den österreichischen Handel.