Rallye Car

Volkswagen verpasst seinem Rallye-Auto ein neues Gewand

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Das finale Design des 200 kW (272 PS) starken Rallye-Autos ist eine Neuinterpretation der Optik, die auch beim Golf GTI TCR umgesetzt wurde. „Der Polo GTI R5 sieht wirklich aufregend aus“, sagt Volkswagen Motorsport-Direktor Sven Smeets über das allradangetriebene Fahrzeug für Kunden, dass ab November ausgeliefert wird, um künftig in internationalen und nationalen Rallye-Meisterschaften eingesetzt zu werden.

Nico Mühr, Exterior Design Volkswagen, beschreibt die Philosophie hinter dem dynamischen Look des Polo GTI R5, der wie im Rennsport üblich als Folie aufgetragen wurde: „Wir haben beim Polo GTI R5 bewusst viele Designelemente aus den Serienfahrzeugen der GTI Familie eingesetzt. Neben den typischen Farben Rot, Weiß, Schwarz und der Erkennungslinie im Frontgrill verleihen vor allem die GTI Icons samt Wabenstruktur dem Rallye-Polo eine unverwechselbare Optik. Am Ende bleibt der Polo GTI R5, trotz seiner extremen Rallye-Optik, klar als – sicher schnellstes – Mitglied der Polo Familie erkennbar.“

Der Polo GTI R5 basiert auf der 2017er-Modellgeneration des Serienfahrzeugs. "Dieser neue Polo der sechsten Generation war aber noch gar nicht verfügbar, als wir mit der Entwicklung des Rallyeautos begannen", erklärt Gerard Jan de Jongh, Technischer Projektleiter für den Polo GTI R5. "Daher mussten wir anfangs ausschließlich mit Computerdaten arbeiten. Wir hatten dank der Computersimulation relativ früh die Karosserie fertig, mit der wir dann im Windkanal gearbeitet haben. Außerdem haben wir bei der Festlegung der Spezifikation großen Wert darauf gelegt, dass die technische Betreuung des Polo GTI R5 auch von Privatteams problemlos zu beherrschen ist", so de Jongh.

Unter der Haube steckt ein 1,6-Liter-Turbomotor mit Direkteinspritzung, der den knapp 1.230 Kilogramm leichten Viertürer in 4,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Der neue Rallye-Polo hat eine Entwicklungszeit von 20 Monaten hinter sich und spulte Testfahrten von mehr als 10.000 Kilometern unter unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen ab. Diese Sorgfalt hat ihre Ursache zum Teil im Reglement.

„Ein R5 darf während der auf fünf Jahre angelegten Lebensdauer im Motorsport technisch nur geringfügig geändert werden“, erklärt de Jongh. Bei allen Fahrzeugkomponenten, die nicht bei Volkswagen Motorsport gefertigt werden, griff de Jongh auf Kontakte zurück, die bereits für die Entwicklung des Polo R WRC genutzt wurden. Dazu gehören Xtrac für das Getriebe, Bosch für die Motorelektronik, ZF Sachs für die Stoßdämpfer und Alcon für die Bremsen. Gearbeitet wurde für die Bereiche Chassis, Motor und Radaufhängung mit je drei bis sechs Mitarbeitern.

"Vom Vorgängermodell konnten fast gar keine Komponenten übernommen werden, aber wir haben die Designphilosophie adaptiert", so de Jongh. So sind die Einbaulage der Stoßdämpfer, der Federweg, die Geometrie der Radaufhängungen oder die Sitzposition des Fahrers ähnlich. "Und genau wie beim Polo R WRC haben wir bei allen Komponenten das geringstmögliche Gewicht angestrebt, um den Fahrzeugschwerpunkt so niedrig wie möglich zu legen. Aber auch dabei setzt das Reglement Grenzen. Die Preisgrenzen von zahlreichen Teilen sind vorgegeben und häufig ist ein Mindestgewicht vorgeschrieben, beispielsweise für die Rohkarosse."

Die erste Testfahrt fand im November 2017 auf dem Testgelände im französischen Fontjoncouse statt. Seither haben Volkswagen Test- und Entwicklungsfahrer Dieter Depping, Pontus Tidemand, die ehemaligen Rallye-Weltmeister Petter Solberg und Marcus Grönholm, Raimund Baumschlager, Eric Camilli und Emil Lindholm das Fahrzeug gefahren. Das Testprogramm hatte es in sich: Temperaturen von -16 °C bis +40 °C; auf Meereshöhe und auf 2.800 Metern in den Bergen. Das neue Fahrzeug wird erstmals bei der Rallye in Spanien zum Einsatz kommen und von Eric Camilli und Petter Solberg gesteuert.

https://youtu.be/TsnoJ2MzdRU

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