Verkehrssicherheit

Wissen Sie, wie die Rettungsgasse richtig funktioniert?

So gut wie jeder Autofahrer hat sie bereits miterlebt: Die Rede ist von der Rettungsgasse, die Leben retten soll. Doch nicht selten passiert es, dass Autofahrer die Rettungsgasse ab drei Fahrstreifen dilettantisch zu bilden beginnen. Was der ÖAMTC rät, erfahren Sie hier.

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Die Rettungsgasse ist auf österreichischen Autobahnen seit der Einführung mit 1. Jänner 2012 verpflichtend. Allerdings funktioniert diese oftmals nicht in der Form, wie sie der Gesetzgeber angedacht hat - mit im schlimmsten Fall dramatischen Folgen. Denn wenn Einsatzfahrzeuge aufgehalten werden, führt dies zu Verzögerungen auf dem Weg zum Unfallort. Experten gehen davon aus, dass die Überlebensrate von Verkehrsopfern sogar um bis zu 40 Prozent verbessert werden kann, wenn sie nur vier Minuten früher behandelt werden. Grund genug, darüber bescheid zu wissen, wie in solchen Fällen zu reagieren ist. 

"Die Rettungsgasse funktioniert nur, wenn alle Lenker solidarisch handeln und sich an dieselben Regeln halten. Das betrifft natürlich auch Autofahrer aus dem Ausland. Ihre Unterstützung gewährleistet, dass möglichst breit über die Einführung der Rettungsgasse in Österreich informiert wird. In Deutschland und Tschechien ist die Rettungsgasse ja bereits gesetzliche Vorschrift, in Slowenien und der Schweiz empfohlen beziehungsweise gelebte Praxis", erklärt ÖAMTC-Verbandsdirektor Oliver Schmerold.

https://youtu.be/l1UbZFYuPEE

Konkret lautet der Absatz (Abs. 6 des § 46 StVO), der die Rettungsgasse in der österreichischen Straßenverkehrsordnung verankert: "Stockt der Verkehr auf einer Richtungsfahrbahn in einem Abschnitt mit mindestens zwei Fahrstreifen, so müssen Fahrzeuge für die Durchfahrt von Einsatzfahrzeugen in der Mitte zwischen den Fahrstreifen zwischen dem äußerst linken und dem daneben liegenden Fahrstreifen, eine freie Gasse bilden (Rettungsgasse); diese Gasse darf, außer von Einsatzfahrzeugen, nur von Fahrzeugen des Straßendienstes und Fahrzeugen des Pannendienstes benutzt werden." Alle Verkehrsteilnehmer auf der linken Spur müssen sich so weit links, wie möglich einordnen. Wer auf der rechten Spur ist, muss so weit nach rechts, wie notwendig. 

Ein wichtiger Punkt, welchen es ebenfalls zu beachten gilt: Die Rettungsgasse muss gebildet werden, sobald sich ein Stau bildet; nicht erst wenn sich Einsatzfahrzeuge nähern. Selbst dann, wenn man ganz genau weiß, dass kein Unfall den Stau verursacht hat - etwa weil man die Ampel kennt, die einen Kilometer weiter vorn den Verkehr immer wieder zum Erliegen bringt - muss eine Rettungsgasse gebildet werden. Wer die Rettungsgasse nicht befolgt, dem drohen empfindliche Strafen: Das Nichtbilden der Rettungsgasse wird mit bis zu 726 Euro geahndet. Wer Einsatzfahrzeuge behindert, muss mit einer Strafe von bis zu 2.180 Euro rechnen. 

Tipps für Autofahrer:

  • Wer zur Seite fährt, um Platz zu schaffen, muss sein Fahrzeug unbedingt wieder parallel zur Fahrtrichtung anhalten - nicht schräg. Ein in die Rettungsgasse ragendes Heck oder gar ein Anhänger kann ein gefährliches Hindernis sein.
  • Darf oder muss man den Pannenstreifen beim Ausweichen nach rechts mitbenützen? Ja, darf man, sofern es notwendig ist, eine ausreichend breite Rettungsgasse zu bilden. Prinzipiell sollte man aber versuchen, den Pannenstreifen so weit wie möglich freizuhalten.
  • Wie verhält man sich richtig, wenn sich eine Autobahn teilt, oder bei Autobahnabfahrten? An solchen Stellen ist darauf zu achten, dass ein Rettungsfahrzeug die Richtung der Weiterfahrt frei wählen kann. Oberstes Prinzip ist immer, das Einsatzfahrzeug nicht zu behindern.
  • Was passiert wenn man nicht bei der Bildung der Rettungsgasse mitmacht? Aus der gesetzlichen Verpflichtung zur Bildung der Rettungsgasse folgt natürlich auch eine mögliche Bestrafung für jene, die das nicht tun. Nicht mitzumachen kann bis zu 726 Euro kosten. Wer dabei ein Einsatzfahrzeug, ein Fahrzeug des Straßendienstes oder der Pannenhilfe behindert, muss sogar mit einem Strafrahmen bis 2.180 Euro rechnen. Einem Einsatzfahrzeug nachzufahren, das mit Blaulicht die Rettungsgasse befährt, wird übrigens ebenfalls bestraft.

Neue Rettungsfahrzeug-Warnfunktion 

Aktuell arbeitet der Mobilfunkanbieter Vodafone gemeinsam mit Fahrzeughersteller Ford an einer vernetzten Fahrzeugtechnologie, die den Fahrer auf einen vorausliegenden Unfall aufmerksam machen soll. Darüber hinaus kann das System frühzeitig davor warnen, dass sich Einsatzfahrzeuge nähern - und die Nutzung der richtigen Straßenseite empfehlen, um eine Behinderung von Rettungsfahrzeugen zu vermeiden. Die neue Technologie soll die Rettungsfahrzeug-Warnfunktion ergänzen, die Ford im Rahmen von "Kooperative Mobilität im digitalen Testfeld Düsseldorf", einem 15-Millionen-Euro-Projekt für die praktische Erprobung neuer Connected-Car-Technologien und des automatisierten Fahrens testet. 

Dabei werden Signale aus dem Krankenwagen, Feuerwehrfahrzeug oder Polizeiauto an Autofahrer in der nahen Umgebung gesendet, damit diese wissen, wie weit das Einsatzfahrzeug jeweils entfernt ist. Das kann vor allem in urbanen Gebieten nützlich sein, zum Beispiel an einer Kreuzung, an der es für Autofahrer manchmal schwierig sein kann, das Geräusch der Sirene korrekt zu verorten.


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