Luftraum

Warum das Lufttaxi in Österreich sobald nicht den Boden verlässt

Der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC wittert das große Geschäft mit pilotlosen Passagierdrohnen und baut dazu auf eine Allianz mit dem chinesischen Tech-Unternehmen Ehang. Ob sich das chinesisch-österreichische Kooperationsprojekt rentiert steht auf einem anderen Blatt.

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Dieser Prototyp eines "Lufttaxis" setzt auf Komponenten des oberösterreichischen Flugzeugzulieferers FACC. 

Taxis werden aktuell nur dann medial spruchreif, wenn sie im Zusammenhang mit dem Fahrdienst-Konkurrenten Uber erwähnt werden. Dann aber meist negativ konnotiert, weil Uber preislich in der Regel günstiger ist, als es die Fahrt mit dem Taxi ist. Anders sieht die Sache aus, wenn es um Taxis geht, die sich in Zukunft nicht mehr durch den dichten Straßenverkehr drängen müssen, sondern den Fahrgast bequem auf dem Luftweg zum gewünschten Ziel bringen.

An dieser Vision bastelt derzeit eifrig der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC aus Ried im Innkreis. Auf der Produktionstagesordnung stehen normalerweise Komponenten für Luftfahrtriesen wie Airbus oder Boeing. Doch das ist nicht mehr genug. Gestern wurde in Wien die strategische Kooperation mit dem chinesischen Tech-Start-up Ehang im Rahmen einer Veranstaltung von 4GameChangers verkündet, die erst im vergangenen Jahr eingegangen worden ist. Vor etwas mehr als zwei Jahren wagte FACC den Schritt zur Urban Air Mobility.

Die Wahl des passenden Partners für dieses Unterfangen fiel auf das relativ junge Unternehmen Ehang, das 2014 in Huangzhou gegründet worden ist.  Konkret geht es um die Entwicklung selbstfliegender Passagierdrohnen, sogenannte „Autonomous Aerial Vehicle“ (AAV). Das Anliegen des oberösterreichischen Flugzeugkomponentenherstellers ist es, „ein Stück vom Kuchen abzubekommen“, und die eigene Technologie in die pilotlosen Drohnen des chinesischen Tech-Unternehmens zu verbauen. Und die Chinesen brauchen das Know-how aus Oberösterreich offenbar auch.

Recht- und Infrastrukturfragen stehen Lufttaxis im Weg 

Laut Felix Lee, Übersee-Geschäftsführer von Ehang, sind zweisitzige Drohnenprototypen in China bereits im intensiven Testeinsatz. Das Szenario sieht vor, dass sich die „Lufttaxis“ irgendwann vollkommen autonom auf niedrigerer Flughöhe durch die Häuserschluchten manövrieren, um anschließend auf einer dafür vorgesehenen Infrastruktur landen – recht bald auch hierzulande.

Womit bereits das erste Problem angesprochen ist, denn diese Infrastruktur muss erst aufwendig und unter intensivem Einsatz monetärer Mittel geschaffen werden. In China sieht die Situation in weiten Teilen vielleicht anders aus, aber in Wien müssten erst baurechtliche Checks durchgeführt werden, bevor für Passagierdrohnen grünes Licht gegeben werden kann. Überhaupt muss auch die Ladeinfrastruktur für die Batterien der Luftvehikel geschaffen werden. Ein bedeutendes Wörtchen hat auch die Luftfahrtbehörde in Sachen Zulassung mitzureden. Visionäre Spielerei also? Keineswegs, ist FACC-Chef Robert Machtlinger überzeugt. Er geht stark davon aus, dass autonomes Fliegen noch vor dem autonomen Fahren geschehen wird. Doch diese Angabe ist mehr als vage. 

Projekte schießen aus dem Boden wie Pilze 

„Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann Flugtaxis kommen werden“, betont Machtlinger. Das liege ganz einfach an dem Umstand, dass in der Luft andere Gesetz gelten, als auf dem Boden. Der FACC-Chef stützt sich dabei auf aktuelle Studien, die davon ausgehen, dass der globale Markt für Passagierdrohnen in der Mitte des nächsten Jahrzehnts eine Größe von mehr als zwei Milliarden Dollar erreichen könnte.

„Vor zwei Jahren waren die Aktivitäten auf diesem Gebiet durchaus überschaubar“, beschreibt Machtlinger die damalige Situation. Dem Interesse an der Technologie hat das aber keinen Abbruch getan, im Gegenteil. Mittlerweile gebe es laut Machtlinger bereits zahlreiche Projekte, die sich mit Urban Air Mobility beschäftigen – darunter auch von Größen wie Airbus oder Boeing. 2020 ist bereits angedacht, dass Passagierdrohnen bei der Weltausstellung in Dubai fliegen.

„Besucher sollen vom dortigen Flughafen oder anderen Stellen in der Stadt zum Ausstellungsgelände per Luftweg transportiert werden.“ 2025 sollen sich laut Machtlinger bereits 3.000 elektrisch betriebene Passagierdrohnen in der Luft befinden und rund 100.000 Passagiere pro Jahr befördern. 25 Jahre später werde die Anzahl der im Einsatz befindlichen Flugtaxis dreißig Mal höher sein, prognostiziert der FACC-Chef. Noch ist die Flugdauer der Drohnen mit 25 bis 30 Minuten überschaubar, genau wie das Platzangebot: zwei Personen und kleinere Gepäckstücke finden darin Platz. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt laut Lee 160 km/h. Am Geräuschpegel der Passagierdrohne will FACC zudem etwas schrauben, denn so leise wie ein E-Taxi auf dem Boden, sind die E-Taxis für die Luft aufgrund ihrer Propeller nicht. 

Use-Case Cargo und Logistik

Abgesehen davon, wollen FACC und Partner Ehang bereits 2019 mit dem Serienstart der Passagierdrohnen beginnen. Bis 2020 sollen 300 Einheiten der pilotlosen Passagierdrohne gebaut und über Ehang verkauft werden. Die FACC-Produktionslinie wird dafür nicht nur in Österreich aufgebaut, sondern soll auch vor Ort in China und den USA entstehen, um diese Märkte besser bedienen zu können, so Machtlinger.

Vorstellbar ist, dass pilotlose Drohnen im Logistikbereich eingesetzt werden. Das sieht auch Felix Lee so. Ein anderer Use-Case sieht den Einsatz im Bereich der Rettung vor. Aktuell wird bereits die Versorgung von Ölplattformen mit Werkzeugen und Lebensmittel über speziell eingerichtete Korridore durchgeführt.

Deutscher Verkehrsminister stellt Gelder zur Verfügung 

15 Millionen Euro an Fördermitteln stellt der deutsche Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in den nächsten vier Jahren für die Entwicklung und Erprobung von Drohnen und Lufttaxis zur Verfügung, ist in einer Aussendung zu lesen. Hierzu wird Hamburg eine der fünf Testregionen für die Senkrechtstarter mit Elektroantrieb. Einen Use-Case gibt es auch schon. Ein Lufttaxi-Transfer vom Hamburger Flughafen in die Innenstadt würde drei Minuten dauern und 35 Euro kosten, hat die Managementberatung Porsche Consulting im Rahmen einer Machbarkeitsstudie kalkuliert. Bereits im Jahr 2025 wird Linienverkehr möglich sein, sagen die Porsche-Berater. Doch "autonom" funktioniert zunächst gar nichts: In der Anfangsphase müssen noch Piloten die viersitzigen Kleinflugzeuge steuern.

Luftverkehr, Verkehr, Unternehmensberatung, Lufttaxis, Governance © Porsche Consulting GmbH

Erst irgendwann später soll mit fortschreitender technologischer Entwicklung ein Automatikbetrieb folgen. Porsche Consulting hat Modellberechnungen für den Lufttaxi-Verkehr in vielen deutschen Metropolregionen aufgestellt. "Die sinnvolle Vernetzung moderner Verkehrssysteme kann die neuralgischen Knotenpunkte entlasten und die Menschen von Stress, Zeitverlusten und Umweltbelastungen befreien", resümiert Gregor Grandl, Senior Partner bei  Porsche Consulting und verantwortlich für die Studie "The Future of Vertical Mobility". Das Lufttaxi sei ein Baustein der Mobilität von morgen. 

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