Autohandel

Volle Auftragsbücher, aber leere Lager und lange Wartezeiten

Über die prekäre wirtschaftliche Situation wundert sich niemand mehr. Der Autohandel zehrt an den Folgen des Corona-Lockdowns. Wann aufgeatmet werden darf, ist noch nicht klar, moniert WKÖ-Fahrzeughandel-Obmann Klaus Edelsbrunner.

Licht und Schatten liegen derzeit bei den knapp 14.000 Autohändlern nah beisammen: Einem Einbruch bei den Zulassungszahlen seit Jahresbeginn von einem Drittel im Jahresvergleich stehen momentan volle Auftragsbücher und leere Lager gegenüber. Neuwagenkäufer müssen oftmals bis Weihnachten bis zur Auslieferung warten. Einen Grund durchzuatmen sehen die Händler aber nicht.

"Für das Gesamtjahr erwarten wir ein Minus von 20 Prozent", so Klaus Edelsbrunner, Obmann des Fahrzeughandels in der WKÖ. Denn der Corona-Shutdown hat die Branche in ihren stärksten drei Verkaufsmonaten März, April und Mai getroffen. Das sei nicht mehr aufzuholen. Als die Händler Mitte April/Anfang Mai wieder aufsperrten, war das Interesse groß - vor allem bei Pensionisten und finanzkräftiger Kundschaft, was sich bei Modellauswahl und Ausstattung widerspiegelte, erklärt Edelsbrunner.

Gleichzeitig hätten die Werkskapazitäten und die Lieferketten noch nicht das Niveau der Vor-Corona-Zeit erreicht, wodurch der Nachschub mit Neuwagen stockt. Wobei es schon reichen würde wenn ein Teil fehlt, und sei es nur eine Zierleiste, um die Auslieferung zu verzögern. Des weiteren würden die Händler vorsichtiger disponieren. Und letztendlich führten die Quarantänebestimmungen an den Grenzen zu Verfügbarkeitsproblemen bei den Lkw-Fahrern für die Auto- und Ersatzteiltransporte.

Die Stunde der Wahrheit steht den Händlern aber noch bevor, so Edelsbrunner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA. Denn die finanzkräftige Kundschaft habe sich schon eingedeckt - und wer in Kurzarbeit ist oder seinen Job verloren hat, hat andere Prioritäten.Wer als Alternative zu einem Neuwagen nach einem Gebrauchten Ausschau hält, kann derzeit auch nicht aus dem Vollen schöpfen - auch hier seien die Lager eher leer, so Edelsbrunner. Von einer interessanten Entwicklung berichtete kürzlich das spanische "Institute of Automotive Studies". In dem südeuropäischen Land, das von der Coronapandemie besonders hart betroffen ist, ist der Absatz von Fahrzeugen, die älter als 20 Jahre sind, im Juli und August um 31 Prozent zum Vorjahreszeitraum angewachsen. Der Durchschnittspreis lag bei rund 1.400 Euro.

(Red./Nachrichtenagenturen)