Autokonzerne

Studie: Der Innovationsdruck nimmt spürbar zu

Die Autoindustrie steht gehörig unter Druck: Einerseits hat sie ambitionierte Klimaziele im Nacken, andererseits muss sie verstärkt mit Innovationen auf Kundenfang gehen. Eine Studie des Unternehmens Protolabs hat der Branche auf den Zahn gefühlt.

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Das auf die Fertigung von Prototypen und Kleinserienteilen spezialisierte Unternehmen Protolabs hat eine Umfrage durchgeführt, in der es darum geht, wie sich der automobile Bereich weiter entwickeln wird. Die Studie wurde im Juli 2019 durchgeführt und 300 Personen aus den Bereichen Geschäftsleitung, Forschung und Entwicklung, Design-Engineering, Technologie und Supply Chain Management nahmen daran teil. Sie sind in Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien tätig. 

Ein großer Autohersteller weniger

Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich die europäische Automobilindustrie  im Umbruch befindet. Sieben von zehn Teilnehmern geben an, dass sie noch nie unter solch einem großen Innovationsdruck standen. Darüber hinaus befürchten 48 Prozent der Befragten, dass die Bedrohung durch neue Wettbewerber aus Asien oder Amerika zu einem Verlust von Marktanteilen führen könnte. 

Doch die Umfrage brachte noch etwas ans Licht. Mehr als die Hälfte der Befragten Unternehmen gehen davon aus, dass einer der großen Autokonzerne in den nächsten drei Jahren vom Markt verschwinden wird. Carsharing, Mitfahrdienste, Vermietungs- und Abonnement-Konzepte werden als Alternative zum klassischen Fahrzeugkauf und des Umbruchs in der Automobilbranche gesehen.

Strengere Umweltauflagen in den kommenden zwölf Monaten wurden von 55 Prozent der Befragten als die dringlichste Sorge für die nahe Zukunft angesehen. 52 Prozent sind der Ansicht, dass ein neuer Wettbewerber mit einer neuen Antriebstechnologie beziehungsweise Fahrzeugart in den nächsten drei Jahren den Markt massiv verändern wird.

Umbruch in der Branche

An der Umfrage haben Führungskräfte von Herstellern und Automobilzulieferern wie Volkswagen, BMW, Mercedes, Daimler, Volvo, Jaguar Land Rover und  Lotus teilgenommen. Dabei zeigte sich, dass sich 71 Prozent der Befragten verstärkt den Bereichen Industrie 4.0 und Digitalisierung von Prozessen zuwenden müssen, um ihre Vormachtstellung nicht zu verlieren.

"In der Autobranche scheint sich ein regelrechter Sturm zusammenzubrauen, gefördert durch Handelskriege, der Brexit-Problematik und dem Wettlauf um die Elektromobilität. Dies bedeutet eine Zeit extremer Veränderungen für die Automobilmarken sowie der gesamten Lieferkette", sagt Bjoern Klaas, Vice President und Managing Director von Protolabs Europe.

"Aufgrund all dieser Herausforderungen ist es unerlässlich, dass die Industrie weiterhin in Forschung und Entwicklung und in gemeinsame Bemühungen investiert, Innovationen schnell auf den Markt zu bringen", so Bjoern Klaas weiter. "Die neue Studie hebt die vielen Veränderungen hervor, die in den nächsten drei Jahren zu erwarten sind. Dabei ist Innovation der ausschlaggebende Faktor für den zukünftigen Erfolg in der Automobilbranche."

Schnelle Markteinführung von Innovationen 

Fast 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie noch nie unter solch einem großen Innovationsdruck gestanden haben wie heute. Zwei Drittel der Befragten sind zudem der Meinung, dass ihr Unternehmen ohne eine starke Forschungs- und Entwicklungsabteilung nicht mehr existieren könnte.

"Wir wissen, dass wir mit der Veröffentlichung der Studie eine starke Botschaft aussenden, die unterstreicht, welche Entwicklungen wir auch bei Protolabs erkennen", so Bjoern Klaas. "Die Nachfrage nach unseren Services steigt zunehmend und gibt Unternehmen die Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit neue Teile zu entwickeln. Die schnelle Markteinführung ist in der Automobilbranche von entscheidender Bedeutung."

Die Befragten aus Frankreich sind der Meinung, dass sie sich verstärkt neuen, mutigen Initiativen in Bezug auf zum Beispiel Kraftstoffeffizienz und dem Einsatz neuer Geschäftsmodelle, zuwenden sollten. Deutschland setzt sich verstärkt für den Einsatz von autonomen Fahrzeugen ein.

Kundenwünsche werden immer wichtiger 

Auf den ersten Blick mag es positiv erscheinen, dass 69 Prozent aller Befragten sagen, dass ihr Unternehmen jeglicher Veränderung in der globalen Automobilindustrie standhalten kann. Dies muss allerdings mit der Tatsache abgewogen werden, dass 51 Prozent der Meinung sind, dass ihre Kollegen dem Umbruch der Branche nicht den notwendigen Stellenwert zuschreiben.

Die Fähigkeit, diese schnell umzusetzen, wird vor allem dadurch gefährdet, dass 48 Prozent die Schwierigkeit darin sehen, geeignete Mitarbeiter zu finden. Diese Situation habe sich noch weiter zugespitzt, verglichen mit den letzten zehn oder zwanzig Jahren.

Drei Viertel gaben an, dass sie ihre Prozesse darauf ausgerichtet haben, Kundenwünsche bereits in einem frühen Stadium des Designprozesses zu berücksichtigen. Fast die Hälfte der Befragten sieht es als problematisch an, ein erfolgloses Produkt einzustellen, ohne negative Auswirkungen zu erleiden. 40 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass ihre Strategie nicht mit der Unternehmensvision zusammenpasst.

"Es gibt vonseiten der Unternehmen eine echte Bereitschaft zur Innovation, das ist klar zu erkennen", so Klaas. "Das Problem ist jedoch, dass es so viele Veränderungen im Automobilsektor gibt, dass selbst die größten Hersteller darum kämpfen, mit der Entwicklung Schritt zu halten."

"Um die Herausforderungen bewältigen zu können, sollten sich Hersteller auf ihre Kernkompetenzen und ihr Fachwissen konzentrieren”, rät Klaas. “Was darüber hinausgeht, sollte von externen Dienstleistern bezogen werden, um den Wettbewerbsvorteil nach wie vor halten zu können.”

Kommunikation als Schlüsselkompetenz

Geht es um die Innovationskraft von Unternehmen in Deutschland, ist vor allem die Kommunikation eine Schlüsselmaßnahme. Von 33 Prozent der deutschen Befragten wird angegeben, dass sie eine unternehmensweite “Innovationskultur” verankert haben, jedoch sagten lediglich 19 Prozent der Befragten, dass der Innovationsaspekt vom Geschäftsführer vorangetrieben wird. Nur 16 Prozent gaben an, dass sie überlegen, ihr Geschäftsmodell vollständig zu überdenken.

Um ihren Innovationsgrad zu erhöhen, ergreifen deutsche Unternehmen allerdings bereits zahlreiche Maßnahmen. 58 Prozent sagten, dass sie die Kommunikation zwischen Forschung und Entwicklung sowie Sales/Marketing/Vertrieb verbessern wollen. 32 Prozent gaben an, von der Innovationskraft von externen Anbietern und Dienstleistern zu profitieren.

Bjoern Klaas fast die wesentlichen Botschaften der Studie zusammen: 

Neue Realitäten

Die Verbraucher fragen zunehmend Elektro- und autonome Autos nach. Auch Carsharing wird bei Verbrauchern statt dem Autokauf immer beliebter. Die Autobauer sollten auf diese neuen Anforderungen reagieren, moderne Technologien einsetzen sowie neue Fahrzeuge und Geschäftsmodelle entwickeln. 

Ungewöhnliche Wege gehen

Obwohl Automobilhersteller bereits Milliarden in bestehende Technologien investiert haben, müssen sie auch jetzt weiter in neue Technologien investieren. Wenn sie zögern, könnte dies neuen Wettbewerbern die Tür öffnen. 

Neue Talente dringend gesucht

 Erfolg basiert auf kreativen Talenten, die sich ändernde Kundenwünsche berücksichtigen. Dafür muss eine Innovationskultur im Unternehmen etabliert werden. Auf kurzfristige Sicht müssen Marken mit neuen Partnern und Lieferanten zusammenarbeiten, um die erforderlichen Kompetenzen bereitzustellen. 

Geschwindigkeit ist alles 

Der Wandel wird in Zukunft noch weiter voranschreiten. Die Automobilhersteller müssen sich deswegen bemühen, ihren Innovationsgrad schnell zu erhöhen - um alle sich ihnen bietenden Chancen zu nutzen.

Einige der wichtigsten Ergebnisse der Umfrage sind:  

  • 52 Prozent der Befragten glauben, dass ein großer Automobilhersteller in den nächsten drei Jahren vom Markt verschwinden wird.  
  • 55 Prozent geben strengere Umweltauflagen in den kommenden 12 Monaten als die dringendste Sorge für die nahe Zukunft an.  
  • 52 Prozent glauben, dass ein neuer Wettbewerber den Markt mit einer neuen Antriebstechnologie beziehungsweise  einem neuen Fahrzeugtyp in den nächsten drei Jahren massiv verändern wird.  
  • 71 Prozent sagen, dass sie sich verstärkt den Bereichen Industrie 4.0 und Digitalisierung von Prozessen zuwenden müssen, um ihre Vormachtstellung zu behalten.  
  • 56 Prozent erwarten, dass Verbraucher vermehrt Carsharing-Angebote nutzen werden anstatt Autos zu kaufen.

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