Kraftstoff

Premium versus Normal: Wer macht das Kraftstoff-Rennen?

Manche lassen generell die Finger davon, andere sind an der Zapfsäule zumindest nicht abgeneigt: Die Rede ist von Premiumkraftstoffen. Doch rechtfertigen die höheren Kraftstoffpreise den Griff zum edleren Kraftstoffgemisch überhaupt?

Normalerweise kommt Standardsprit in den Firmenwagentank, denn knallhartes Kostenkalkül hat hier Vorrang. Wenig überraschend werden die meisten heimischen Pkw-Flottenfahrzeuge mit konventionellem Diesel betankt. Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht hier am besten auf. Doch ist der Griff zu Premiumproduktion bei Benzin und Diesel absolut unsinnig oder lässt sich mittels höherwertigem Kraftstoffzusatz der Motor tatsächlich schonen und länger zum Schnurren bringen?

Schonkur für den Motor

Ein wesentlicher Faktor ist die Einsatzdauer der Fahrzeuge, die mit der Motorleistung einhergeht. Vielversprechend propagieren die Treibstoffanbieter: Bei der Verbrennung von Premiumtreibstoffen bleiben weniger Ablagerungen zurück, der Sprit gelangt effizienter in den Brennraum. Das soll sich positiv auf Komponenten wie die Kraftstoffleitung, die Kraftstoffpumpe oder den Kraftstofffilter auswirken. Die Folge: Mehr Leistung, weniger Verbrauch, weniger Wartung.  An sich eine gute Sache. 

Der ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl weist darauf hin, dass Premiumkraftstoffe keine “Mogelpackung” sind, jedoch nicht für die breite Masse relevant sind. Die Motorkonstruktion ist hierbei der Maßstab: „Jeder Motor reagiert etwas anders, manche laufen tatsächlich ruhiger mit Premium, zeigen etwas mehr Leistung, andere bleiben völlig unverändert“, so der Experte.  Deutliche Steigerungen seien etwa bei älteren Fahrzeugen mit Turboladern beobachtet worden. Den absolut größten Nutzen durch Premiumkraftstoffe sieht Kerbl bei den Dieselmotoren, die, im Gegensatz zu früher, höhere Ansprüche an Kraftstoffe stellen. Was in den Kraftstofftank kommt, ist also nicht ganz egal. 

Premiumdiesel hat Vorteile im Winter

Gerade zur kälteren Jahreszeit würde es laut Kerbl Sinn machen, Premiumdiesel zu tanken - und das würde sich durchaus rentieren. „Es sind darin nicht nur Fließverbesserer enthalten, es ist auch kein Paraffin drinnen und bei eisigen Minusgraden springt der Wagen auch noch an“, so Kerbl. Additive, sprich Kraftstoffzusätze, befänden sich Kerbl zufolge zwar ebenso im Standardsprit wie bei Super Plus oder Premiumdiesel, Kunden rät der ÖAMTC-Techniker dennoch, den Griff zum Premiumprodukt hin und wieder zu wagen. „Schaden kann es nicht und es wird sichergestellt, dass sich keine Ablagerungen bilden. Manche tanken jetzt ein- bis zwei- mal in der Woche Premium und sind glücklich damit. Der Motor wird es Ihnen danken.“ 

Auswirkungen gäbe es auch auf das Motoröl, wie Martin Reeschuch, Technischer Berater bei Total Austria, erklärt. So sei der Einfluss von Raps- oder Sonnenblumen-Methylester, wie er in Biodiesel zu finden ist, „nicht zu vernachlässigen“. Welche Cetanzahl getankt wird, ist für die Motorleistung nach Meinung des Schmierstoffexperten nicht „wurscht“. Die Cetanzahl steht für die Zündwilligkeit des Dieselkraftstoffes: je höher, desto williger. 

Die Kilometerleistung ist wesentlich  

Ob sich das Tanken von Premiumtreibstoff für einen Fuhrpark lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab. „Steht das Auto oft und wird dann wieder viel gefahren, rechnet sich Premium in jedem Fall“, sagt Kerbl. Relevant ist auch die Fuhrparkgröße und ob die Fahrzeuge gekauft wurden oder geleast sind. Dann müssen die Fahrzeuge ohnehin nach einer vereinbarten Nutzungsdauer wieder zurückgegeben werden und der Kunde erhält neue Fahrzeuge. 

Auf den Wertverlust hat es allerdings keine Auswirkungen, ob Normal- oder Premiumsprit getankt wird - „da wird keiner hinschauen“, meint Kerbl. Premium kann sich auch bei Fahrzeugen mit hohem Anschaffungswert oder nach einem teuren Umbau auszahlen, um hohem Verschleiß in jedem Fall entgegenzuwirken. Allerdings kann der ÖAMTC-Experte jene Fuhrparkbetreiber verstehen, die aus ökonomischer Sicht die Hände davon lassen: 

„Die erste Pickerlüberprüfung findet nach drei Jahren statt, spätestens nach vier Jahren wird das Fahrzeug getauscht und eine Wirkung von Premiumsprit würde sich, wenn überhaupt, erst nach 250.000 Kilometern bemerkbar machen.“ 

Verkokungen werden gelöst 

TU-Wien-Professor Bernhard Geringer vom Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik ergänzt: „Mir ist keine empirische Untersuchung bekannt, in der man über die Motorlebensdauer einen Unterschied feststellen konnte. Das könnte aber daran liegen, dass solch eine Untersuchung immens aufwendig und teuer wäre.“ Geringer betont aber, dass hochwertige Additive von Premiumtreibstoffen durchaus Verkokungen in Motoren besser ablösen können und somit das Innenleben sauberer halten. Verbrauch und Emissionen des Motors würden positiv beeinflusst. Das Fazit: Premiumdiesel sorgt für Verlässlichkeit im Winter, ansonsten reicht die Betankung nach Handbuch oder den Firmenrichtlinien in jedem Fall aus. 

Schnelle Fakten: 

Wann gefriert flüssiger Kraftstoff?

Hierbei handelt es sich lediglich um Richtwerte, doch generell gefriert Benzin erst ab minus 45 Grad. Wesentlich weniger winterfest präsentiert sich Dieseltreibstoff: Bei minus 22 Grad nimmt wird der zu Diesel-Gel.

Was sind Additive im Kraftstoff?

Kraftstoffzusätze, sogenannte Additive, sind auf die Motoren abgestimmt und im Kraftstoff und Motoröl zu finden, deren Eigenschaften darauf abzielen, die Leistung und Lebensdauer des Motors zu verbessern beziehungsweise zu erhöhen. So wird häufig damit geworben, dass Korrosion im Kraftstoffsystem bekämpft, Kraftstoffe vor Alterung geschützt oder die Motorleistung optimiert werden. Schäden am Triebwerk also verhindert werden. 

Wodurch lässt sich Kraftstoff einsparen?

Durch der Fahrsituation angepasstes Schalten. Am besten sollte der Drehzahlmesser im Auge behalten werden, der Motor sollte nicht dauerhaft hochdrehen, ebenso ist ein untertouriges Fahren auf Dauer ebenfalls schlecht. Frühes Hochschalten führt dazu, dass der Motor im unteren Drehzahlbereich bleibt und dadurch weniger Kraftstoff verbraucht. Wenn man spät zurückschaltet, arbeitet der Motor möglichst lange im unteren Drehzahlbereich und verbraucht dadurch weniger Kraftstoff. Fahren im oberen Drehzahlbereich verbraucht mehr Kraftstoff, als Fahren im niedrigen Drehzahlbereich.