Im Gespräch

"Österreich ist ein Paradeland der Elektromobilität"

Das Thema der Elektromobilität bietet reichlich Zündstoff und feuert hitzige Diskussionen an, denn der fahrbare Untersatz ist den Österreichern wichtig. Wir sprachen mit BEÖ-Chefin Ute Teufelberger darüber, was sich hierzulande noch ändern muss, um die Attraktivität der Elektromobilität weiter zu steigern. Wo Potenziale vorhanden sind und dringender Handlungsbedarf besteht, erfahren Sie hier.

Von

Österreichweit lassen sich bereits 3.500 BEÖ-Ladestationen mittels Smartphone App oder Karte bedienen.

Firmenwagen: Gleich zu Beginn: Haben Sie selber ein E-Auto?

Teufelberger: Ich fahre seit zwei Jahren einen BMW i3.

Firmenwagen: Sind Sie zufrieden?

Teufelberger: Früher habe ich das Auto lediglich als Fortbewegungsmittel gesehen, jetzt macht mir das Autofahren richtig Spaß. Wenn ich mir ein Poolfahrzeug mit Dieselmotor bei meinem Arbeitgeber ausleihe, dann glaube ich, dass ich in einem Traktor sitze. Auch der Geruch und die Lärmentwicklung werden schnell ungewohnt, die ein Verbrenner erzeugt. Ein großer Vorteil ist auch, dass das energieeffiziente Fahren mit dem E-Auto meiner Meinung nach erst so richtig gelernt wird. Beim Elektroauto sind einfach ein wenig mehr Planung und Voraussicht mit an Bord.

Firmenwagen: Erzählen Sie den Lesern bitte kurz über Ihren bisherigen Werdegang.

Teufelberger: Mit 1. Februar 2019 wurde ich zur neuen Vorsitzenden des BEÖ (Bundesverband Elektromobilität Österreich) bestellt. Bereits seit 2010 bin ich in unterschiedlichen Funktionen beim Energieversorger EVN tätig. Seit zwei Jahren leite ich die Abteilung Elektromobilität und Energieeffizienz, davor war ich unter anderem als Energie-Expertin für die Industriellenvereinigung in Brüssel tätig.

Firmenwagen: Ich habe kürzlich einen Artikel aus dem Jahr 2012 gelesen. Es wird darin auch ein österreichischer Autofahrerklub zitiert. Das damalige Fazit: Der Stromer ist gar nicht so ökologisch. Heute sieht die Stimmung etwas differenzierter aus. Welche Voraussetzungen bieten sich in Österreich, um die Elektromobilität weiter zu pushen?

Teufelberger: Es gibt die hitzige Diskussion über die Klimabilanz von Elektroautos, die mitunter sehr heftig geführt wird. Anders als etwa in Deutschland, wo Autokonzerne wie VW eigens Studien zu diesem Thema anfertigen lassen, um das Image der Stromer zu verbessern, besteht der Strom-Mix in Österreich ohnehin zu über 70 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen. Entsprechend gut steht das Elektroauto hierzulande in der Ökobilanz dar. Elektromobilität macht in Österreich vollkommen Sinn - wir sind jetzt schon ein Paradeland. 

Firmenwagen: Wer ist Teil des BEÖ? 

Teufelberger: Die Mitglieder sind elf regionale und kommunale Energieversorger. Am Beginn hatte jeder seine eigene regionale Ladeinfrastruktur aufgebaut. Bald haben wir überlegt, dass es für den Kunden sinnvoll wäre, wenn wir unsere Netze zusammenschließen. Das ist auch einer der Gründungsgedanken des BEÖ. Eine Karte beziehungsweise eine Smartphone-App reicht nun aus, damit das E-Auto an einer entsprechenden Ladesäule mit Strom versorgt wird. Seit Kurzem arbeiten wir überdies mit dem privaten Lade-Infrastruktur-Anbieter Smatrics zusammen, damit dort ebenfalls Strom bezogen werden kann. 

Firmenwagen: Nach außen könnte leicht der Eindruck entstehen, dass der BEÖ den Fokus auf die öffentliche Ladeinfrastruktur legt. Trügt der Schein? 

Teufelberger: Neben dem weiteren Ausbau und der Betreuung des öffentlichen Ladenetzes, liegt unser wachsender Schwerpunkt auf dem Bereich der Ladung zu Hause. Die BEÖ-Mitglieder bieten Infrastruktur für private Nutzer wie auch Unternehmen an: Von der Wallbox im Eigenheim bis hin zu komplexeren Strukturen und Verrechnungssystemen für Unternehmen. Als Verband setzen wir uns dafür ein, dass auch im privaten Sektor an den rechtlichen Voraussetzungen geschraubt wird. Konkret betreffen die von unserer Seite geforderten Änderungen verschiedene Gesetze im Miet- und Wohnrecht. Wir brauchen einige Erleichterungen, damit es künftig jedem möglich wird, das eigene E-Auto im städtischen Bereich direkt am Wohnort zu laden. Technisch ist eigentlich alles möglich; schwierig ist, dass es derzeit rechtlich notwendig ist, die Zustimmung aller Stakeholder zu bekommen. Einerseits wollen wir eine rechtliche Vereinfachung, andererseits suchen wir auch nach kostengünstigen Lösungen. Ein durchdachter und möglichst schonender Einbau der Lade-Infrastruktur ist ein Beispiel dafür.

Firmenwagen: Vor der unerwarteten Absetzungswelle im Parlament, war es eigentlich angedacht, dass diesbezüglich noch in diesem Jahr etwas passieren soll. Daraus wird wohl nichts...

Teufelberger: Neben einem intensiven und offenen Dialog, der mit den Ministerien bereits seit dem vergangenen Jahr geführt wird, haben wir gemeinsam mit Experten einen Kriterienkatalog erstellt. Wir sind optimistisch, dass diese Kriterien bei Gesetzesänderungen berücksichtigt werden.

Firmenwagen: Kann man sich von Ländern wie dem E-Auto-Spitzenreiter Norwegen etwas abschauen?

Teufelberger: Vor zwei Jahren waren wir in Norwegen, um uns anzuschauen, was dort in Sachen Elektromobilität passiert. Ein besonders interessanter Aspekt ist, dass dort gebündelte Lade-Hubs in Stadtquartieren entstehen und der Trend von kleinteiligen Ladepunkten weg geht, die sich verteilt in den Straßen wiederfinden. Jedoch befindet sich das Ganze auch erst in der Testphase.  

Firmenwagen: Es scheint fast so, als würden westliche Bundesländer in Sachen Elektromobilität ein wenig aktiver agieren, als die östlicheren. Man blicke zum Beispiel auf die Fülle regionaler Projekte, die um Förderung durch den Klima- und Energiefonds ansuchen. 

Teufelberger: Ich würde das keinesfalls an topologischen Gefällen festmachen. In Niederösterreich wurden im Mai zum Beispiel 1.297 Ladestationen gezählt - und damit der größte Bestand. Ein besonders  aktives Verhalten ist freilich immer zu begrüßen und auch erwünscht.

Firmenwagen: Durch welche Maßnahmen lässt sich Ihrer Meinung nach die Elektromobilität attraktiver machen? Aktuell halten sich die Zulassungszahlen ja noch in einem sehr überschaubaren Rahmen.

Teufelberger: Es ist uns als BEÖ ein Anliegen, dass wir jetzt die Zeit nützen, die Lade-Infrastruktur in Österreich auszubauen, damit sich noch mehr Menschen dazu entscheiden, auf ein Elektroauto umzusteigen. Letztlich muss sich aber auch der Anschaffungspreis für rein batterieelektrische Fahrzeuge auf ein Niveau senken, das sie attraktiver macht. Für Unternehmen gibt es bereits die Sachbezugsbefreiung für Elektro-Autos. Diese läuft zwar 2020 aus, soll aber fortgesetzt werden. Auch die Kfz-Steuerbefreiung und das Entfallen der NoVA sind begrüßenswerte Punkte. Im privaten Bereich soll es bestenfalls in eine ähnliche Richtung gehen. Fördermodelle wie in Niederösterreich sollten ausgeweitet werden. Im Neubau ist es einfacher entsprechende Förderprojekte zu finden, im Bestandsbau sieht es schon schwieriger aus, die Leute zu überzeugen.

Firmenwagen: Vor kurzem war ich im tiefsten Südburgenland unterwegs und habe bei einem Gastronomiebetrieb eine Wallbox mit BEÖ-Logo angetroffen. Zeichnet sich ein wachsendes Interesse in diesem Bereich ab?

Teufelberger: Das Interesse von Hotels und Wirtshäusern nimmt weiter zu, den Kunden eine entsprechende Lade-Infrastruktur bieten zu können. Es hat auch mit der Qualität des Betriebs zu tun, wenn Kunden, die mit dem E-Auto anreisen, eine entsprechende Lade-Infrastruktur vor Ort vorfinden. 

Firmenwagen: Wo drückt noch der Schuh bei Unternehmen, wenn es um das Thema Elektromobilität geht?

Teufelberger: Ein großes Problem sind die extrem langen Wartezeiten bei den E-Autos. Die Autohersteller können oft nicht garantieren, dass ihre Fahrzeuge rechtzeitig geliefert werden - von sechs Monaten bis zu einem Jahr Wartezeit sind da keine Seltenheit. Manche Hersteller trauen sich nicht mal mehr eine konkrete Zusage zu machen. Das Angebot an Modellen muss dringend zunehmen und die Wartezeiten abgebaut werden. Dieses Thema ist besonders für Unternehmen heikel.

Firmenwagen: Kurz zusammengefasst: Was ist dem BEÖ aktuell besonders wichtig?  

Teufelberger: Wir wünschen uns klare Regelungen für das Laden von batterieelektrischen Mitarbeiter-Fahrzeugen zu Hause. Außerdem haben Belastungstests in Pilotprojekten gezeigt, dass durch intelligentes Laden Belastungsspitzen reduziert werden können. Weiters muss bei der Installation einer Wallbox in den eigenen vier Wänden die Hauselektrik durch Fachbetriebe angesehen und gegebenenfalls angepasst werden. Gezielte Änderungen im Miet- und Wohnrecht sollen überdies den Ausbau der Infrastruktur zu Hause künftig wesentlich unkomplizierter machen.

Kurz-Info:

Von Anfang des Jahres bis Juli wurden in Österreich 5.615 Stromer zugelassen, womit der Bestand im Juli auf 26.213 Fahrzeuge geklettert ist. Österreichweit lassen sich bereits 3.500 BEÖ-Ladestationen mittels Smartphone-App oder Karte bedienen. Geplant ist nun auch das Netz ins Ausland zu erweitern und mit entsprechenden Partnern zusammenzuarbeiten.

Folgen Sie unserem Magazin auf: @firmenwagen

Folgen Sie dem Autor auf: @lukasklamert