Luxuswagen

Lamborghini wünscht sich mehr Frauen hinters Steuer

Der italienische Luxuswagenhersteller möchte die Geschlechterkluft beim Autokauf verkleinern und mit einem aktuellen SUV mehr Frauen ansprechen. Dabei wird auf bestimmte Verkaufsstrategien gesetzt.

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Bestimmten Fahrzeugmarken haftet der Ruf an, bevorzugt von Männern erworben zu werden. Marketwatch wollte das mit Zahlen belegen und erstellte eine Liste, die auf Datenmaterial der Automotive Website Edmunds basiert. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: 93 Prozent der Lamborghini Besitzer sind männlich, 92 Prozent bei Ferrari, 84 Prozent bei Maserati und 83 Prozent bei Tesla.

Die Marketingleiterin des Luxussportwagenherstellers Lamborghini weiß um das Problem: „Frauen waren von Lamborghini bisher eingeschüchtert“, sagt Katia Bassi und ergänzt: „Was nicht heißt, dass es viele Männer nicht auch sind.“ Angesichts der PS-starken Luxusschlitten ist das wohl auch wenig verwunderlich, strahlen Modelle wie der Huracán mit V10- oder der Aventador mit V12-Motorisierung nicht nur mobile, sondern auch finanzielle Dominanz aus.

Mit dem Launch des Urus Anfang des Jahres sollen nun gezielt beide Geschlechter angesprochen werden. Lamborghini bezeichnet das Fahrzeug als „Super Sport Utility Vehicle”, dass dazu gemacht ist, „jeden Tag gefahren zu werden.“ 650 Pferdestärken in einem Acht-Zylinder-Motor versteckt, machen dieses Modell zwar nicht gerade zum gezähmtesten SUV auf diesem Planeten, doch zutraulicher als andere Luxusflitzer der italienischen Marke aus Sant’Agata Bolognese.

Die Hoffnungen sind jedenfalls hoch, dass sich vermehrt Frauen für den Urus interessieren (könnten). Um entsprechende Kapazitäten für die Produktion freizumachen, wurde sogar das Werk ausgebaut. Für Bassi sei das Gefährt ein "guter Start", um mit der Marke vertraut zu werden. „Nicht jeder mag es, mit einem Supersportwagen zu fahren“, so Bassi. 

© Lamborghini

„Die Idee ist zu verstehen, was Frauen an Luxuswagen wollen“, erklärt Bassi. Dazu gibt es auch eine Verkaufsstrategie, die die Verkaufsgespräche ins richtige Setting verlagert, um eine entspannte Stimmung zu kreieren: die Lamborghini Lounge. Eröffnet wurde sie im Vorjahr im New Yorker Stadtteil Manhattan.

Auf 4,521 Quadratmeter können es sich kaufstarke Kunden mit einem Glas Wein in der Hand auf exquisiten Sofas bequem machen, durch den Prospekt blättern und sogar einen Lamborghini in einem Simulator steuern. Bassi sieht darin einen großen Vorteil gegenüber gewöhnlichen Verkaufsräumen, die das Produkt zu schnell in den Vordergrund setzen und dadurch Frauen von einem Kauf abschrecken könnten.

Eines haben bei Lamborghini jedoch beide Geschlechter gemein. Tief in die Tasche müssen sowohl Männer wie auch Frauen greifen, wenn sie den Kauf eines Urus in Betracht ziehen. In den USA ist der Preis für den Urus bei 200.000 Dollar angesetzt, womit er nur etwa um die Hälfte weniger kostet als der Aventador. In 55 Geschäftsjahren hat Lamborghini vergleichsweise wenige Fahrzeuge gebaut - nur 40,000. Im Vergleich zu GM, die alleine im letzten Jahr zehn Millionen Autos abgesetzt haben.

Einen Erklärungsgrund wieso Männer eher dazu verleitet sein könnten, für teure Autos auch tief in die Tasche zu greifen, gibt eine Studie von „iSeeCars“. Demnach stellen Männer beim Autokauf Fantasien in den Vordergrund, wohingegen Frauen dazu neigen, verstärkt auf praktische Details zu achten. Praktikabel - wenngleich teuer praktikabel - ist, was Bassi hofft, dass Kundinnen sehen, wenn sie den Urus erblicken. Bisher sei die Rückmeldung „unglaublich“ gewesen.

https://youtu.be/AbSleg3aT00

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