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Hat Europa den Einstieg bei Batteriezellen bereits verschlafen?

US-Strafzölle vermiesen auch den Chinesen die Laune. Geht es um die Produktion von Batteriezellen, richten chinesische Hersteller verstärkt den Blick Richtung Europa – nicht nur um sich dem Protektionismus der USA zu widersetzen.

Mitten auf einem 80 Hektar großen Feld nahe Erfurt macht sich nun der chinesische Konzern Contemporary Amperex Technology (CATL) breit. Mit einer milliardenschweren Investition möchten die Chinesen jenen Bestandteil einer Batterie auf deutschem Boden erzeugen, der für den Antrieb von Elektroautos unerlässlich ist: Batteriezellen. Wen wundert’s? Die Batterie zählt zu den kostenintensivsten Bauteilen eines Elektrofahrzeugs und deutsche Automobilzulieferer wie Bosch haben sich bislang aus eben diesem Grund gegen eine Zellproduktion entschieden.

Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass deutsche und europäische Automobilhersteller aber das Nachsehen haben werden. Zwar legte die EU-Kommission im Vorjahr Pläne zur Gründung einer European Battery Alliance vor, aber es ist eine Allianz ohne Verbündete: europäische Hersteller von Batteriezellen gibt es aktuell keine. Das soll sich zwar ändern, andere sind aber bereits einen Schritt voraus. Dass nun Chinas größter Batteriehersteller in Thüringen eine „Gigafactory“ für Batteriezellen errichten will, ist nicht nur ein taktischer Schachzug, dahinter steckt auch knallhartes Kostenkalkül, denn Batterien sind nicht nur teuer, sondern auch schwer und hochentzündlich. Für einen Transport, etwa per Flugzeug, völlig ungeeignet.

Deutsche Automobilhersteller wären gegenüber Batterien aus deutscher Hand grundsätzlich nicht abgeneigt, generell herrscht aber Zurückhaltung auf dem Feld. Nur VW-Markenchef Herbert Diess appellierte im Vorjahr auf der Frankfurter Automesse IAA an die europäische und deutsche Industrie, diese möge doch in dieser Angelegenheit ihre Kräfte bündeln. Der deutsche Autobauer BMW hat jedoch schon ein klares Zeichen gesetzt und Batterien von CATL im Wert von vier Milliarden Euro geordert - noch bevor das Werk für die Lithium-Ionen-Zellen am "Erfurter Kreuz" überhaupt steht.

Ohne Nehmen freilich kein Geben, dass ist auch den Europäern klar. Gleichzeitig winken die Chinesen europäische Unternehmen ins Land der aufgehenden Sonne - mit leichten Unterschieden. In China werden heimische Unternehmen durch Subventionen gefördert, ausländische hingegen nicht. Auch anderweitig werden Gesetze kontrovers angewendet. Ein ausgewogener Technologietransfer klingt anders.

Aber nicht nur asiatische Hersteller wollen oder haben bereits Batteriefabriken in Europa errichtet, auch Tesla-Chef Elon Musk könnte sich vorstellen, eine Gigafabrik an der deutsch-französischen Grenze zu bauen, wie er in einem Twitter-Post schrieb. 

© Screenshot: twitter/elonmusk

Allerdings steht noch in den Sternen, wann und ob das überhaupt der Fall sein wird. Fest steht: Wird jetzt nicht schnell genug auf Batterietechnologie aus Europa gesetzt, winkt die Konkurrenz von der Ziellinie aus, bevor Europa überhaupt zum Sprint angesetzt hat. Geschuldet ist das dem Unwillen europäischer Unternehmen, in die Herstellung eigener Batteriezellen zu investieren. Das Know-How wäre vorhanden. Das Know-how wäre vorhanden.

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