Historie

Happy Birthday: Abarth wird auch nach 70 Jahren nicht fad

Gründer Carlo Abarth startete die italienische Automarke mit dem Skorpion-Logo. Selbst nach 70 Jahren fließen noch Erkenntnisse aus dem Motorsport in die Serienproduktion der Fahrzeuge ein. Besondere Exponate aus früheren Rennsporttagen waren auf dem diesjährigen Genfer Auto-Salon zu sehen.

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Die italienische Automarke Abarth wird in wenigen Tagen 70 Jahre alt. "Die wichtigsten Etappen der Historie von Abarth noch einmal zu erzählen, ist auch eine gute Gelegenheit, die rekordverdächtigen Autos, die revolutionären Tuning-Kits und legendären Rennen, die den technologischen Fortschritt und die Motorsportleistungen der Marke prägten, wieder zu entdecken", erklärt Luca Napolitano, Markenvorstand von Fiat und Abarth für Europa, den Nahen Osten und Afrika (EMEA) . "All dies gehört zu Vergangenheit und Gegenwart von Abarth, genauso, wie das Engagement und der Stolz der Menschen, die im Laufe der Zeit in den Fabriken und Büros und auf den Rennstrecken aktiv waren. Neben den gemeinsam im Zeichen des Skorpions errungenen Motorsporterfolgen, arbeiten die Ingenieure und Techniker von Abarth in harten Tests daran, alltagstaugliche und dynamische Straßenfahrzeuge zu entwickeln. 

Die Legende der Marke mit dem Skorpion im Logo begann am 31. März 1949. An diesem Tag gründete Carlo Abarth (1908 bis 1979) zusammen mit dem Fahrer Guido Scagliarini die Firma Abarth & C. Ihr erstes Auto war der 204 A, der vom Fiat 1100 abgeleitet wurde. Der Wagen wurde am 10. April 1950 von Tazio Nuvolari gefahren: Das Bergrennen Salita al Monte Pellegrino war nicht nur das letzte Rennen der Motorsportlegende, der Rennfahrer aus der Provinz Mantua siegte im 204 A auch ein letztes Mal. Seitdem ist die Geschichte von Abarth gespickt mit Renn- und Industrierekorden. Im Geiste von Carlo Abarth geht es bis heute um die Kombination aus maximaler Leistung, Handwerkskunst und technischer Raffinesse.

© Lukas Klamert

Eigentlich begann Carlo Abarths spannende Karriere aber nicht mit Autos, sondern mit Motorrädern: Im Alter von zwanzig Jahren feierte er seine ersten Erfolge als Fahrer im Team Motor Thun, aber bereits im nächsten Jahr baute er auf Kundenwunsch sein erstes Motorrad unter der Marke Abarth. Unglücklicherweise zwang ihn ein Unfall während eines Wettkampfs in Linz, mit dem Motorradrennsport aufzuhören - aber so ganz gelang ihm das nicht. Er fuhr weiter Rennen - mit dem heute legendären Seitenwagengespann. Berühmt wurde es unter anderem durch die Wettfahrt gegen den Orient Express - die Carlo Abarth natürlich gewonnen hat. Ein zweiter, schwerer Unfall im Jahr 1939 zwang ihn, den Rennsport vollständig einzustellen. Carlo Abarth musste neu anfangen.

© Lukas Klamert

1945 zog er nach Meran und wurde italienischer Staatsbürger. Nach einer kurzen Erfahrung bei Cisitalia gründete er 1949 Abarth & C. und hatte die Idee, die Rennsportaktivitäten der Marke durch die Produktion seines berühmten Tuning-Kits für Serienautos zu ergänzen - es ging darum, Leistung, Top Speed und Beschleunigung zu erhöhen. Bemerkenswerte Bestandteile des Kits waren die Auspuffrohre, die im Laufe der Jahre zu einem Markenzeichen des Stils von Abarth wurden. Innerhalb weniger Jahre wuchs Abarth & C. zum Global Player: 1962 produzierte das Unternehmen mit 375 Mitarbeitern 257.000 Abgasrohre, von denen 65 Prozent für Exportmärkte bestimmt waren.

Der Höhepunkt des Erfolgs war Ende der 1950er und in den 1960er Jahren erreicht. Ein Beispiel: Mit einem von Bertone im Jahr 1956 entworfenen Fiat Abarth 750 brach die Marke auf der Rennstrecke von Monza sowohl den Langstreckenrekord als auch den Geschwindigkeitsrekord: Am 18. Juni stellte der Abarth 750 einen 24-Stunden-Rekord von 3.743 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 155 km/h auf. Dann, vom 27. bis 29. Juni, sammelte das Fahrzeug eine ganze Reihe von Rekorden auf derselben Rennstrecke - über Distanzen von 5.000 und 10.000 Kilometer, über 5.000 Meilen und auch über 48 und 72 Stunden. 

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Das gleiche Modell wurde von Zagato in zwei verschiedenen Versionen entworfen - als Fiat Abarth 750 Zagato (1956) und als Fiat Abarth 750 GT Zagato (1956). Das Dröhnen dieses Wagens begeisterte Franklin Delano Roosevelt Jr., den Sohn des Präsidenten der USA, so sehr, dass er nach Italien reiste, um persönlich mit Abarth einen Exklusivvertrag für den Vertrieb dieser Fahrzeuge zu unterzeichnen.Im Jahr 1958 vollendete Abarth ein wahres Kunstwerk am neuen Fiat 500, das den Kleinwagen komplett umgestaltete und sein Potenzial auf ein Maximum ausbaute. Im selben Jahr intensivierte die Marke ihre Partnerschaft mit Fiat, da sich der Konzern verpflichtete, auf der Grundlage der Anzahl an Siege und Rekorden, die das Team erreichte, Geldpreise an Abarth zu vergeben. Grundlage der Zusammenarbeit war denn auch eine beeindruckende Serie von zehn Weltrekorden, 133 internationalen Rekorden und mehr als 10.000 Siegen auf Strecken und Pisten.

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Abarth wurde zur Legende und zum Synonym für Motorsporterfolge, die 1960er Jahre waren das goldene Jahrzehnt für Abarth. Der Skorpion war das Sinnbild für Schnelligkeit, Mut, Leistung und Entwicklung. Und die Liste der Fahrzeuge, die den Namen Abarth in die Geschichte des Motorsports eingraviert haben, ist lang: vom 850 TC, der auf allen internationalen Rennstrecken einschließlich dem Nürburgring siegreich war, bis hin zum Fiat Abarth 1000 Berlina und dem 2300 S, der trotz rauer Witterungsbedingungen in Monza eine außergewöhnliche Serie von Rekorden "einfuhr".

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1971 wurde Fiat alleiniger Eigentümer von Abarth. Das letzte Fahrzeug, an dem der Gründer aktiv beteiligt war, war der legendäre A112 Abarth. In den 80er Jahren wurde die Geschichte mit berühmten Autos wie dem Fiat 131 Abarth, das unter anderem mit Walter Röhrl und Christian Geistdörfer Rallye-Weltmeister wurde, und dem Ritmo Abarth fortgesetzt. Leider stirbt Carlo Abarth am 24. Oktober 1979 unter dem Sternzeichen des Skorpions - unter dem er auch geboren wurde. Das Tierkreissymbol war es auch, das Abarth zum berühmten Logo inspirierte.

Der glorreichen Geschichte werden seit 2008 aktuelle Kapitel hinzugefügt. Die Marke begeisterte mit einem neuen Line-up die Motorsport-Enthusiasten - etwa mit dem Abarth Grande Punto (2007) oder mit dem Abarth 500 (2008). Oder mit Tuning-Kits für Serienfahrzeuge oder den Rennversionen des Abarth Grande Punto Rally Super 2000 und des Abarth 500 Assetto Corse. Immer wieder wurden neue Modelle auf den Markt gebracht - der Abarth 695 Tributo Ferrari (2010), der Abarth 595 Yamaha Factory Racing (2015), der Abarth 695 Biposto Record (2015), der Abarth 695 Rivale (2017), der Abarth 124 Spider, die Abarth 124 Rallye (beide wurden 2016 eingeführt), der Abarth 124 GT und die neue Abarth 595-Reihe (beide wurden im Jahr 2018 eingeführt). Und heute? Aktuell wird die Geschichte mit der Reihe "70th Anniversary", dem brandneuen Abarth 595 esseesse und dem streng limitierten Abarth 124 Rally Tribute fortgeschrieben.

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Die Siege des Abarth 124 rally aus der letzten Saison sind nun Ansporn für die neue Saison. Dafür wurde investiert und das Fahrzeug konsequent weiterentwickelt. Die Zielvorgabe für 2019 war denkbar einfach, aber doch sehr anspruchsvoll: In der R-GT-Klasse soll der Abarth 124 rallye das Auto sein, das es in der kommenden Saison zu schlagen gilt. 

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Die Abarth Serie "70th Anniversary" für Abarth 595 und Abarth 124 ist schon von außen durch ein spezielles Logo erkennbar. Mit diesen Fahrzeugen wurden die Meilensteine in der Fahrzeugentwicklung und die Motorsporterfolge bereits auf dem Genfer Auto-Salon in würdigem Rahmen gefeiert. Auf der Schweizer Leitmesse wurden auch der streng limitierte Abarth 124 Rally Tribute und der neue Abarth 595 esseesse vorgestellt, den ebenfalls das Geburtstags-Logo ziert.

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