Jahresrückblick 2020

Fuhrparkmanagement in Zeiten von Corona

Lesen Sie, wie große Fuhrparks von der Covid-19-Krise betroffen waren und welche Erfahrungen die Flottenmanager im Jahr 2020 gemacht haben.

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Wir haben uns gefragt, welche Themen Fuhrparkleiter aktuell umtreiben und dazu exemplarisch die Flottenmanager bekannter österreichischer Unternehmen um ihre Statements gebeten. Zusammen repräsentieren die vier von uns befragten Fuhrparkprofis eine Flotte von mehr als 13.000 gewerblich genutzten Kraftfahrzeugen. Wie sich gezeigt hat, ist der Klimaschutz und die Nachhaltigkeit ein großes Thema. Im Jahr 2020 hatte darüber hinaus auch Covid-19 massive Auswirkungen auf alle Bereiche der Unternehmen, so natürlich auch auf die jeweiligen Fuhrparks. Dabei waren die Betriebe völlig unterschiedlich betroffen: Die Post erlebte aufgrund des sprunghaften Anstiegs im Versandhandel Weihnachten schon im März, was zu einem entsprechend großen Bedarf an Fahrzeugen und Laderaum führte. Der Fuhrpark des Flughafens Wien ist hingegen bei weitem nicht an seine übliche Auslastung herangekommen, nachdem das Passagieraufkommen um über 70 Prozent auf weniger als acht Millionen Passagiere im Jahr 2020 eingebrochen ist. Aber wir wollen nun gar nicht weiter darüber erzählen, sondern die Betroffenen lieber selbst zu Wort kommen lassen.

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Covid-19 bei der Post – Hochsaison im März

© Österreichische Post

Paul Janacek, Leiter Konzern Fuhrpark, Österreichische Post AG

Mit der Ankündigung des österreichweiten Lockdowns am 13. März wurde es im Geschäftsalltag der Post und somit auch für den Konzernfuhrpark turbulent. Von einem auf den anderen Tag wurde plötzlich alles online bestellt. Vom Drucker bis hin zu Gartenmöbeln. Die Zustellung wurde vor allem durch das viele Sperrgut für unsere Zusteller sehr beschwerlich. Dazu kommt, dass der Volumenbedarf für die Fahrzeuge sprunghaft angestiegen ist. Normalerweise werden im Fuhrpark der Post ab März die Kfz-Bestände aus der Hochsaison abgebaut. Dieses Jahr blieben alle Fahrzeuge im Einsatz. Zu Beginn war auch die Verunsicherung bei den Kfz-Werkstätten entsprechend vorhanden und manche haben den Betrieb eingestellt. Erst nach einigen Tagen gelang es, einen flächendeckenden Betrieb wiederaufzubauen, um vor allem auch die erforderlichen §57a Überprüfungen zeitgerecht erledigen zu können. Zusätzlich musste in kürzester Zeit ein Hygiene-Konzept für die Fahrer der Fahrzeuge aufgesetzt werden, damit die Sicherheit unserer Zusteller gewährleistet werden konnte. 

Ein positiver Effekt aus der Krise sind die Bestrebungen der Bundesregierung, die Dekarbonisierung des Verkehrs voran zu treiben. Insbesondere die COVID-19 Investitionsprämie, von bis zu 14 % für Ökologisierungsmaßnahmen, beschleunigt den weiteren Ausbau der E-Mobilität. Die Österreichische Post AG hat Ende 2020 bereits 950 E-Transporter in Betrieb. Diese sind aufgrund der vereinfachten Antriebseinheit vorteilhaft. Auf der letzten Meile sind deutliche Betriebskostensenkungen von über 50 % gegenüber herkömmlichen Verbrennungsmotoren realistisch.  Aus diesen Gründen beschafft die Post 2021 mindestens 450 E-Transporter und errichtet zusätzlich die erforderlichen Ladestationen. Bis 2030 hat sich die Post das Ziel gesetzt, die gesamte Zustellung auf der letzten Meile emissionsfrei zu betreiben

© Österreichische Post

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Breite Nachhaltigkeitsstrategie am Flughafen Wien

© Flughafen Wien

Clemens Richter, Leiter Fuhrparkmanagement der Flughafen Wien AG

Die österreichischen Flughäfen haben sich als Ziel gesetzt, bis 2050 kein CO2 mehr zu emittieren. Auch der Flughafen Wien verfolgt diese Ziele sehr konsequent: Seit 2011 konnten die CO2-Emissionen um mehr als 70 % und der Energieverbrauch um mehr als 40 % verringert werden. Neben Photovoltaik, energieeffizientem Gebäudemanagement und nachhaltigem Bauen hat vor allem E-Mobilität dabei einen großen Stellenwert. Derzeit sind bereits mehr als 380 E-Fahrzeuge am Vorfeld im Einsatz, darunter vor allem Nutzfahrzeuge für die Abfertigung, wie beispielsweise E-Schlepper, E-Stapler, E-Passagiertreppen, E-Cateringfahrzeuge und vieles mehr. Unter Berücksichtigung des weit höheren Wirkungsgrades eines E-Antriebes bedeutet dies eine CO2-Reduktion für die gesamte Flotte von ca. 650 Tonnen pro Jahr. Die Investitionskosten werden bei Elektromobilität zwar höher sein, die Wartungskosten aber deutlich geringer. Eine Ausweitung der Elektroflotten wird so weit als möglich vorangetrieben. Vereinzelte Fahrzeuge werden mit Erdgas (CNG) betrieben. Auch ein Ausbau der Fahrzeugflotte mit Wasserstoffantrieb und Brennstoffzellen wird bereits angedacht. Weiters soll die verstärkte Nutzung von Elektromobilität auch durch den ersten weltweiten Schwungmassenspeicher gefördert werden. Diese Schnellladestation am Kurzparkplatz K3 ermöglicht mit bis zu 100 Kilowatt Leistung das eigene E-Auto innerhalb von 20 Minuten vollzutanken. Zudem verfügt der Flughafen Wien über 17 E-Tankstellen für Pkw.

Spezialfahrzeuge für Covid-19-Impfstoffe
Eine der größten logistischen Herausforderungen der Gegenwart wird die rasche und effiziente Verteilung der Covid-19-Impfstoffe. Der Flughafen Wien hat sich darauf gut vorbereitet: Wir haben im Luftfrachtbereich ein eigens Pharma Handling Center eingerichtet, das auf die Abfertigung temperatursensibler Waren, wie Arzneimittel, spezialisiert ist. Dabei wird die heikle Luftfahrt mit eigens vom Flughafen entwickelten Spezialfahrzeugen, wie mobile Kühlcontainer, umgeschlagen, ohne die Kühlkette zu unterbrechen. Gerade für den Covid-19-Impfstoff ist das von höchster Priorität.

Besondere Anforderungen im Fuhrparkmanagement
Die Aufgaben bei diesem ungewöhnlichen Fuhrpark beinhalten nicht nur die Flugzeugabfertigung und besonderen Anforderungen der Feuerwehr, sondern auch die umfangreichen Arbeiten zur Erhaltung der Infrastruktur und vieles mehr. Für diese mannigfaltigen Einsatzgebiete bedarf es zum einen professionellen Equipments aus dem Sonderfahrzeugbau aber auch eine akkurate Ersatzteilversorgung sowie Service, Wartung und Reparaturen durch ein geschultes Werkstattteam am Standort.

Fakten zum Fuhrpark des Flughafen Wien:

© Flughafen Wien

1900 motorisierte Fahrzeuge
- 220 Autos und 630 leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen 
- 95 Fahrzeuge für Feuerwehr- und Sanitätsdienst
- 210 Fahrzeuge für den Winter- und Sommerdienst, für Schneeräumung, Enteisung und vieles mehr
- 650 Abfertigungsfahrzeuge (Busse, Flugzeug-Schlepper, Gepäcks-Ladefahrzeuge, Catering-Hubwagen und viele mehr)
-60 Technische Dienstleistungsfahrzeuge (Müllwagen, Kehrmaschine etc.)
-380 Elektrofahrzeuge wie Catering-Lkw, Schlepper etc.

3.000 nicht motorisierte Fahrzeuge wie Passagiertreppen, Gepäckscontainer usw.
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Herausforderungen durch Covid-19 und Neuausrichtung im ÖAMTC-Fuhrparkmanagement

© ÖAMTC/Christian Postl

Marcella Kral, stv. Fuhrparkleiterin beim ÖAMTC

Organisatorisch hat uns das Jahr einiges abverlangt. Wir haben die Zeit aber auch genutzt, um unsere neue Fuhrparksoftware zu testen, Anpassungen vorzunehmen und umzusetzen. Durch Kurzarbeit bei den Herstellern und Werkschließungen kam es zu Lieferverzögerungen von mehr als sechs Monaten. Die Zulassungsstellen waren zeitweise geschlossen. Hier half das Entgegenkommen der Importeure mit Leihfahrzeugen und längeren Rückgabemöglichkeiten ohne Aufzahlung. 

Im Bereich der E-Mobilität sorgte auch die Fördermöglichkeit der Investitionsprämie ab September für einen weiteren "Bestelldruck" – weil sie für Bestellungen bis Ende Februar 2021 gilt, aber nur beim Kauf eines E-Autos. Dabei ist der Großteil der Fuhrparkfahrzeuge in Österreich geleast. Somit mussten sicher einige ihre Car Policy anpassen. Um im Fuhrparksektor Mythen zur E-Mobilität auszuräumen und Umstiegsmöglichkeiten aufzuzeigen, gab es im Herbst im ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Teesdorf unter Einhaltung strenger Covid-Regeln eine große Fachkonferenz mit Probefahrten und Podiumsdiskussionen. 

Fuhrparkmanagement auf dem Weg zum Mobilitätsmanagement
In der E-Mobilität sehe ich auch Lösungen für die zukünftigen Herausforderungen, aber nicht nur: Der Fuhrparkmanager entwickelt sich zum Mobilitätsmanager. Wir brauchen multimodale Mobilitätslösungen – um einen nachhaltigen, leistbaren Fuhrpark zu gewährleisten und die vereinbarten Klimaziele umzusetzen. Es geht bei der E-Mobilität nicht nur um eine Mobilitätswende, sondern vor allem um eine Energiewende. Das ist eine Disruption, die schon begonnen hat.

Steckbrief ÖAMTC-Fuhrpark (österreichweit inklusive acht Fahrtechnik Zentren): 

Flotte, Pannenautos, 2020, Heli, Helicopter, Filmdreh, Fahrrad © ÖAMTC

  • Anzahl Fahrzeuge: fast 1.800 Fahrzeuge, davon 375 Clubmobile und fast 300 Dienstfahrzeuge (Jahreskilometerleistung Dienstfahrzeuge im Schnitt ca. 25.000/Fahrzeug)
  • Fahrzeugarten: Lkw, Pkw, Bus, KAP, Oldtimer, Einachs-/Zweiachsanhänger, E- Pannenfahrzeug, Motorräder, E-Bikes
  • Antriebsarten: Diesel, Benzin, Strom, Wasserstoff, Erdgas

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„Ein herausforderndes Jahr mit einigen Lichtblicken“

© ÖBB

Alexander Klug, Leiter Fuhrparkmanagement bei Rail Equipment GmbH & Co KG

Das Jahr 2020 war aus Sicht der Rail Equipment (REQ), die 100% Tochter der ÖBB Infrastruktur ist der Fuhrpark- und Carsharingbetreiber im ÖBB Konzern, wegen Corona und den dadurch verhängten Maßnahmen eine große Herausforderung. So kam es ab März durch den Lockdown zu teilweise verzögerten Neufahrzeugauslieferungen mit direkten Auswirkungen auf Wartungsverträge und den geplanten Fahrzeugverkäufen. Die Fahrzeuge mussten teilweise länger als geplant in Betrieb bleiben, was in manchen Fällen zu einem erhöhten Aufwand bei der Instandhaltung und Reparatursteuerung führte. Herausfordernd war zudem die Fahrzeugverwertung trotz Lockdown so zu gestalten, dass die Verkaufserlöse auch weiterhin unseren Erwartungen entsprachen. Auch die Umstellung auf Homeoffice-Betrieb war für uns gerade in der Anfangsphase gewöhnungsbedürftig und erforderte eine Neuausrichtung vieler Arbeitsabläufe und Prozesse.

Zusätzlich war bei unserem Carsharing-Angebot „ÖBB Rail&Drive“ gerade zu Beginn der Lockdown-Phase im März/Anfang April ein merkbarer Rückgang der Auslastung zu bemerken. Erfreulicherweise erholte sich die Situation aber relativ rasch und wir konnten durch gezielte Gegenmaßnahmen größere Schwierigkeiten vermeiden. Der Fahrzeugpool von Rail&Drive steht sowohl externen Kunden als auch für die interne Nutzung konzernweit zur Verfügung. Ein Lichtblick war unter anderem auch die Tatsache, dass wir trotz aller Herausforderungen dieses Jahres unser Carsharing-Angebot weiter ausbauen konnten: „ÖBB Rail&Drive“ ist inzwischen österreichweit in 30 Städten an 34 Standorten präsent und wir durften Mitte des Jahres unsere 10.000te Kundin begrüßen. 

Außerdem ist es uns, trotz der erschwerten Umstände gelungen, die Umstellung unserer Carsharing-Fahrzeugflotte auf E-Mobilität weiter voranzutreiben. So werden bis Jahresende an die 60 Elektrofahrzeuge inkl. der erforderlichen Ladeinfrastruktur in Betrieb sein.

Auch 2021 wird der E-Mobilitäts-Anteil unseres Fuhrparks weiter ausgebaut. Ziel ist es laufend weitere Elektrofahrzeuge inkl. zugehöriger Ladeinfrastruktur in Betrieb zu nehmen. Zudem prüfen wir die Implementierung eines eigenen E-Bike-Sharing Angebots, um die Ökologisierung des innerbetrieblichen Mobilitätsbedarfs weiter voranzutreiben.

Um das Mobilitätsbedürfnis unserer Kundinnen und Kunden auch zukünftig zufriedenstellen zu können, sind wir grundsätzlich davon überzeugt, dass wir mittelfristig verstärkt alternative Mobilitätskonzepte mit wesentlichem Fokus auf Elektromobilität anbieten werden. Das bedeutet im Idealfall eine Verknüpfung von CO2-neutralen Mobilitätsangeboten wie Bahn, E-Bike- und E-Carsharing.

© ÖBB/Michael Fritscher

Fuhrpark der Rail Equipment
520 Carsharingfahrzeuge verteilt auf ca. 80 Stationen insgesamt, davon sind 320 Fahrzeuge an 34 Stationen auch durch externe Kunden buchbar. Derzeit sind 60 Fahrzeuge elektrisch betrieben, der Rest sind dieselbetriebene Fahrzeuge. Jahreslaufleistung 2019 insgesamt ca. 10 Mio. Kilometer.

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