E-Ladeinfrastruktur

Forderung nach einfachem Bezahlen an E-Ladesäulen

Das Problem ist in Deutschland ähnlich gelagert wie in Österreich. Steuert man eine E-Ladesäule an, kann der Bezahlvorgang schon einmal kompliziert werden. Aus diesem Grund pocht die deutsche Kreditwirtschaft vor der entscheidenden Abstimmung im Bundesrat am 17. September 2021 auf offene Bezahlsysteme an öffentlichen Ladesäulen.

„Im Sinne der Verbraucher muss man an jeder Ladesäule mit der Karte bezahlen können, die man im Portemonnaie hat“, sagte Karl-Peter Schackmann-Fallis, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) der Deutschen Presse-Agentur. „Nur wenn das Bezahlen so simpel ist wie beim Bäcker nebenan oder beim Tanken, wird die Elektromobilität akzeptiert werden.“

Die deutsche Bundesregierung hatte Mitte Mai eine überarbeitete Ladesäulenverordnung beschlossen. Demnach müssen Betreiber von öffentlich zugänglichen Ladepunkten die kontaktlose Zahlung mit mindestens einer gängigen Debit- oder Kreditkarte anbieten. Dies soll für alle neuen Ladesäulen gelten, die vom 1. Juli 2023 an in Betrieb gehen. Die Länder waren jedoch uneins und vertagten die Entscheidung. Nun steht das Thema am 17. September erneut auf der Tagesordnung des Bundesrates.

Kontaktloses Bezahlen ist mit Girocards und Kreditkarten möglich, die über einen entsprechenden Chip verfügen. Außerdem kann mit einem Smartphone oder einer Smartwatch mit Diensten wie Apple Pay und Google Pay oder Banken-Apps kontaktlos Geld übertragen werden.

Komplizierte Situation

Derzeit ist es vergleichsweise kompliziert, ein Elektroauto in Deutschland unterwegs zu laden: Es gibt zwar mehr als 46.000 öffentliche Ladesäulen (Stand 1. August), aber auch Hunderte Betreiber, Ladekarten, Vertragsmodelle und Tarife. Autokonzerne versuchen mit unterschiedlichen Ansätzen, Käufern ihrer E-Autos den Alltag einfacher zu machen - und an sich zu binden.

Die neue Ladesäulenverordnung hatte sogar für Streit in der Bundesregierung gesorgt. Der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer dokumentierte im Kabinett seine Kritik mit einer ungewöhnlichen Protokollerklärung. „Das ist eine Regelung von gestern“, sagte der CSU-Politiker später. Er befürchtet nach eigenen Worten, dass sich mit den Vorschriften der Aufbau des Ladesäulennetzes verlangsamt.

Scheuer stellt sich damit hinter die Autobranche und die Energiewirtschaft, die viele der Säulen bereitstellt. So kritisierte der Energiebranchenverband BDEW im Mai, durch die Pflicht zum Einbau von Lesegeräten werde „ein zusätzlicher Bremsklotz geschaffen“. Der Autoverband VDA argumentiert, es reiche, auf Verträge, Apps oder digitale Bezahlsysteme zurückzugreifen. (APA/red)