Elektromobilität

Fehlende Mittel: Sono Motors muss Finanzierungsstrategie ändern

Der Elektro-Kleinwagen Sion könnte an einem anspruchsvollen Marktumfeld scheitern. Die Community muss nun helfen - und zwar möglichst rasch.

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Dass Unternehmen ab und an ihre Strategie ändern müssen, um die weitere Finanzierung sicher zu stellen, ist leider keine Seltenheit. Nun sieht sich das erst junge Elektro-Start-up Sono Motors aus München damit konfrontiert, diesen ungnädigen Schritt zu tätigen. Wurde in den Anfangstagen noch durch Crowdfunding Geld herangeschafft, setzte das Unternehmen in weiterer Folge auf strategische Investoren, um Gelder für die Serienproduktion des Elektro-Kleinwagens Sion zu lukrieren. Nun distanziert sich Sono Motors wieder von dieser Strategie und setzt auf Crowdinvesting durch die Community.

Doch es klingt nicht allzu gut, was Sion Motors in einer Aussendung über den derzeitigen Stand der Dinge zu melden hat: "Im Laufe des Prozesses und in zahlreichen Verhandlungen mit internationalen Investoren haben wir immer wieder feststellen müssen, dass sich die Ziele und Erwartungen der Investoren nicht mit unseren Zielen und Werten vereinbaren lassen. Der klassische Weg hat nicht funktioniert. Wir hätten die Abwanderung unserer Technologien und Patente in Kauf nehmen müssen. Das wäre das Aus für den Sion gewesen", heißt es. 

Die Werte, für die das Start-up steht, sind kurz skizziert: Ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen, das bezahlbare und klimafreundliche Elektromobilität auf die Straße bringt. Der kleine, leichte Sion soll das Aushängeschild dieser Idee sein. Doch nun klingt es fast wie eine Notlage, in der sich das Start-up zu befinden scheint: Der kurzfristige Finanzbedarf scheint hoch, wie eine nun gestartete Kampagne vermuten lässt. In der aktuellen Kampagne will das Unternehmen auf die Schnelle 50 Millionen Euro mithilfe der Community einnehmen - und zwar noch bis zum 30. Dezember 2019(!) In nicht mal vier Wochen sollen überdies 2.000 Fahrzeugreservierungen erreicht werden. Die Zahlungen der Vorbesteller werden aber nur dann fällig, wenn auch das Kampagnenziel erreicht wird, wie eine Sprecherin auf Nachfrage betont. Andernfalls werden die Kunden wohl aufgrund fehlender Mittel ihre Fahrzeuge nicht erhalten. 

Durch die Generierung neuer finanzieller Mittel verschiebt sich die Produktion der ersten Fahrzeuge auf September 2021, wie Sono Motors in einer Mitteilung schreibt. Um die Interessenten trotz dieser Aussicht (und dem Risiko, dass die Neuausrichtung scheitert) von der Investition zu überzeugen, hat sich das Gründerteam um Laurin Hahn, Jona Christians und Navina Pernsteiner zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Sie bringen ihre noch verfügbaren Gewinnbeteiligungen (64 Prozent der Gewinnbezugsrechte) in einen Community-Pool ein. Sprich: Sie übertragen ihre angepeilten Gewinne auf die heutigen Reservierungsinhaber eines Sion und verzichten auf persönliche Gewinne. Ihre Stimmrechte wollen Sie behalten. Aktuell hält das Gründerteam 74 Prozent der Unternehmensanteile. Bleibt zu hoffen, dass die neue Strategie rechtzeitig aufgeht, sonst dürfte der Sion wohl schon viel zu früh Geschichte sein. 

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