Live vom Genfer Autosalon

Entschleunigung bei den Oldtimern

Auch auf dem Genfer Auto-Salon suchen Besucher nach Entschleunigung und Entspannung und wenden sich von Kopfschmerz erregenden Blitzlichtern und dröhnender Musik dankend ab: den Auto-Neuheiten zum Trotz interessieren sich viele Besucher eher für die Oldtimer.

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Wenn sich alles um große Themen wie alternative Antriebe, allen voran E-Mobilität, Vernetzung und autonomes Fahren dreht, könnten Besucher des 89. Genfer Auto-Salons den Eindruck gewinnen, dass alles bisher Dagewesene im automobilen Sektor gar keine Rolle mehr spielt – durch die Autokonzerne ausgeblendet wird. Zu Recht, denn eine modulare Fahrzeugplattform drängt sich neben die nächste und wird an den Ausstellungsständen gekonnt ins Rampenlicht gesetzt.

Auf dem diesjährigen Genfer Auto-Salon ist das aber generell nicht so – und das beweisen gar nicht so wenige Aussteller, die historischen Fahrzeugen wieder Leben einhauchen oder diese auf alt getrimmt sogar erst erbauen, und zwar komplett mit E-Antrieb. Doch zum überwiegenden Teil werden Fahrzeuge ausgestellt, die nicht nur zahlreiche Jahre auf dem Buckel haben, immer brav gehegt und gepflegt worden sind, und in die viel handwerkliches Know-how und Liebe zum Detail gesteckt wurde. Das wird nicht nur beim Exterieur, sondern insbesondere beim Innenleben sichtbar. Ein Blick hinein lohnt sich.

Kein Wunder, dass sich so mancher Messebesucher gestresst von dröhnender und hell erleuchteten Ständen namhafter „Premiumhersteller“ abwendet und bei vergleichsweise gesitteten Oldtimer-Ständen regelrecht Zuflucht sucht. Die Ironie an der Sache: Diese Oldtimer waren einst der letzte Schrei auf früheren Automobilmessen. Auch wenn sie nun auf Stände von Oldtimer-Liebhabern – etwa der Motorworld Group – abgeschoben wurden, weil neben den neuen Modellen kein Platz mehr für sie ist, kann das als Statement verstanden werden, dass es immer noch Menschen gibt, die die einzigartigen Formen dieser alten Automodelle weiterhin schätzen und sie nicht auf klassische Autoshows verbannt haben wollen.

Das schätzen auch nach Entschleunigung beziehungsweise Entspannung suchende Messebesucher. Nach einem intensiven Rundgang auf einer Ausstellungsfläche von 106.000 Quadratmetern (10.6 Hektar) schmerzen nicht nur die Füße, sondern auch Augen und Ohren. Diese alten Fahrzeuge strahlen nicht nur majestätische Eleganz aus, sie sind ein Zufluchtsort vor den neuen Strömungen in der Automobilbranche, denen doch einige Menschen mit Skepsis gegenüberstehen. Oldtimer nehmen sich davon aus, sie sind fast zeitlos, denn sie können immer für begeisterte Blicke sorgen.

Im Inneren setzt sich dieser Trend fort. Es geht filigran zu, die Hebel sind klein, dünn und erfüllen dennoch jene Zwecke, für die sie gemacht wurden. Einen gewissen Minimalismus teilen sich manche modernen Fahrzeuge vielleicht mit alten. Mit dem Unterschied, dass kaum Elektrik im Oldtimer steckt. oder gar autonomes Fahren spielen sich in einer parallelen Dimension ab – und das ist auch gut so.

 

 

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© L.Klamert
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