Automobile Zukunft

Eine Frage der Vernetzung: Welche Anforderungen die Digitalisierung an das Automobil stellt

Die Automobilbranche reiht die beiden Themen Vernetzung und Digitalisierung an die Spitze der Agenda. Daran sind die Vision und das Bestreben geknüpft, die Mobilität von morgen zu revolutionieren. Was eine aktuelle Studie sonst noch verrät, erfahren Sie hier.

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Während die Werkstätten und der Fahrzeugteilehandel vor dem Hintergrund der vorschreitenden Digitalisierung nach neuen Erlösmodellen suchen, muss sich auch die Automobilbranche darüber Gedanken machen, welche Auswirkung das Thema Vernetzung auf sie hat. 

Die Anforderungen steigen

Nicht nur findet eine interne Vernetzung der Elektronik in den Fahrzeugen statt, an die immer höhere Anforderungen in den Bereichen der Fahrzeugsicherheit, Komfort, Kraftstoffverbrauch, Abgasreduzierung und Diagnose gestellt werden, sondern auch im Bereich externer Vernetzung.

Diese Vernetzung („Connectivity“) geht über herkömmliche Datenübertragung weit hinaus. Automobilhersteller wollen ihren Kunden nicht nur Services zur Verfügung stellen, sie erwarten sich im Gegenzug auch Daten zurück. Kein umstrittenes Thema.

Irgendwann, so der Plan, soll die Vernetzung bereits so weit vorangeschritten sein, dass Autos völlig fahrerlos (autonom) und nur mittels Daten gesteuert auf den Straßen unterwegs sein werden. Ein anderes Level der Kommunikation wird erreicht sein: Die Vernetzung der einzelnen Verkehrsträger mit dem mit dem Straßenverkehr.

Die genannten Anforderungen lassen sich mit der herkömmlichen Datenübertragung in Fahrzeugen nicht mehr erfüllen, da zu viele Leitungen notwendig sind, der Bauraum begrenzt ist und die Reduzierung des Fahrzeuggewichts (Leichtbau) anstrebt wird. Aus diesem Grund werden zunehmend Datenbussysteme in Kraftfahrzeuge integriert.

Vernetzung als Dienstleistung

Intelligente Assistenzsysteme bis hin zu mobilen App-Services: Fahrzeughersteller und Fahrzeuge werden zusehends zu Dienstleistern vernetzter Mobilität. Auf der diesjährigen Vienna Autoshow wurde das Thema Digitalisierung und Vernetzung von den Besuchern als besonders interessant eingestuft. Welches Gewicht das Thema „Connectivity“ gewonnen hat, zeigt die KPMG-Studie „Global Automotive Executive Survey“.

Für die Studie wurden zwischen Oktober und November 2018 rund 1.000 Entscheider der Automobil- und Technologiebranche sowie 2.000 Kunden zu unterschiedlichsten Branchenthemen online befragt. Dabei stellte sich heraus, dass die Themen Digitalisierung und Vernetzung bereits auf den vorderen Rängen einreihen, batteriebetriebene Fahrzeuge an zweiter Stelle und Brennstoffzellen-Autos, im Vorjahr noch der Favorit der Befragten, auf dem dritten Platz.

Gesetze geben den Weg vor

Die Rolle der Autohersteller wandelt sich nach Ansicht der meisten Branchenexperten immer mehr von der des Gestalters der technologischen Entwicklung hin zum Vollstrecker regulatorischer Vorgaben: 77 Prozent meinen, dass Aufsichtsbehörden und Industriepolitik in Zukunft maßgeblich die Pläne der Hersteller bestimmen werden. 83 Prozent der Experten in China und 81 Prozent in den USA sind der Ansicht, ihr Land verfolge eine klare politische Linie für die Autoindustrie. In Westeuropa ist nur die Hälfte der Befragten dieser Meinung.

Weniger Hersteller, weniger Händler

Zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) sind der Ansicht, dass der Anteil westeuropäischer Hersteller an der weltweiten Autoproduktion von heute rund 15 Prozent bis 2030 auf nur noch fünf Prozent abnehmen wird. Auch der Handel muss sich nach Ansicht der Befragten auf einen Wandel einstellen: Rund die Hälfte ist sich ziemlich sicher, dass die Zahl der Händler vor Ort um 30 bis 50 Prozent schrumpfen oder viele zumindest ihr Geschäftsmodell ändern müssen.

Gemeinsam statt einsam

Immerhin 65 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass eine Zusammenarbeit zwischen traditionellen Herstellern und Internet- beziehungsweise Technologieunternehmen unausweichlich ist. In China sind es sogar 84 Prozent. Vor allem Kooperationen mit Unternehmen aus naheliegenden Branchen sind beliebt (56 Prozent), gefolgt von Joint Ventures und strategischen Allianzen (jeweils 43 Prozent).

Stärkerer Mobilfunkstandard nötig

Der schnellere Mobilfunkstandard 5G soll autonomes Fahren, und damit die Möglichkeit einer flächendeckenden Vernetzung, beflügeln. In der „Smart City“ von morgen können dank 5G Stau- und Unfallwarnungen sowie freie Parkplätze in Echtzeit an Autofahrer gemeldet werden. Fahrzeuge können untereinander beziehungsweise mit der Infrastruktur kommunizieren - eine schnelle und sichere Datenübertragung ist für das hoch-automatisierte Fahren unabdinglich.

„Vehicle-to-Vehicle“-Kommunikation

Die Integration von zusätzlichen Informationen aus der Infrastruktur, von anderen Fahrzeugen und Verkehrsteilnehmern sowie von Service- und Dienstanbietern (OEM und Dritte) über „Vehicle-to-Vehicle-Kommunikation“ (V2X-Kommunikation) und das „Internet der Dinge“ wird die Entwicklung der Vernetzung weiter vorantreiben. Bei der „Vehicle-to-Vehicle“ oder „Car-to-Car“-Kommunikation geht es um den Austausch von Informationen über Verkehrslage und Gefahren zwischen Straßenfahrzeugen. Also um die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und dem Umfeld. Die grundsätzliche Idee dahinter ist, dass sich Autos untereinander per Funk vernetzen und Autofahrer frühzeitig Informationen über Gefahrensituationen im Straßenverkehr erhalten.

Typische Anwendungsfälle für Car-to-Car-Communication sind: 

  • Informationen über kurzfristige Straßensperrungen und Alternativstrecken.
  • Warnung vor Stau-Enden, plötzlich auftretendes Eis und liegen gebliebene Fahrzeuge.
  • Erfassung des Fahrzeugumfelds, zum Beispiel Informationen über nachfolgende Fahrzeuge.
  • Vernetzung kooperativer Sensoren, zum Beispiel für den Abstandsregeltempomaten.
  • Situationseinschätzung zur präzisen Bewertung von Kollisionsrisiken und Aktivierung von präventiven Schutzmaßnahmen.

https://youtu.be/A3GG7fUmkKI

Ziele

  • Interoperabilität und grenzübergreifende Nutzung von Car-to-Car-Systemen.
  • Den Straßenverkehr intelligenter organisieren und zugleich sicherer und umweltfreundlicher gestalten.
  • Steigerung der Verkehrssicherheit und Reduzierung der Verkehrsunfälle und Verkehrstoten.

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