E-Mobilität

Dringend mehr Transparenz bei E-Auto-Ladetarifen gefordert

Die Strom-Ladetarife für Elektroautos sollten transparenter werden und sich nur an der getankten Energiemenge orientieren, so der gemeinsame Konsens bei einer Tagung der Regulierungsbehörde E-Control. Gefordert werden auch mehr Lademöglichkeiten beim Arbeitsplatz.  

Bei einer Tagung der Regulierungsbehörde E-Control wurde die Forderung nach "gläsernen" E-Ladetarifen laut. Außerdem sollen für das Erreichen der E-Mobilitätsziele Ladeinfrastruktur und Netze rascher ausgebaut werden. Für Wohnungsmieter sollte es endlich ein "Right-to-plug" geben, wurde gefordert. 

Gesetzliche Grundlage könnte endlich Transparenz bringen

"Rund drei Viertel wissen vor dem Laden nicht, wie hoch die Kosten für das Laden sein werden", sagte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Die Transparenz müsse hier größer werden. Zum Preisvergleich der Ladeverträge sei eine gesetzliche Grundlage nötig. Funktionieren könnte ein solcher Tool so wie der Energiepreisrechner der E-Control mit den Strom- und Gaspreisen. "Es wäre gut, wenn man das erweitern und mit dem von uns betriebenen E-Ladestationen-Verzeichnis koppeln könnte", so Urbantschitsch.

Plug&Charge-Abrechnungen sollen das E-Auto-Tanken vereinfachen 

Rund 85 Prozent der Menschen wünschen sich eine Abrechnung des Stromtankens nach der bezogenen Energiemenge, sagte Bernhard Hintermayer, bei der Asfinag in der Konzernsteuerung für Parken+Rasten sowie Multimodalität zuständig. Dorthin gehe der Weg, auch wenn es heute in Österreich noch keine geeichten Geräte für reine Energieabrechnungen beim E-Auto-Tanken gebe. Die Kunden wünschten sich automatische Plug&Charge-Abrechnungen.

Die Unklarheit, ob ein eigenes Kundenkonto benötigt wird und Sorgen vor zu hohen Preisen wurden am häufigsten als Gründe genannt, warum jemand noch nicht an öffentlichen Ladestationen im Autobahn- und Schnellstraßennetz getankt hat. Diese Preisangst sei unbegründet. Anders als beim Sprit achte man darauf, dass hier das Tanken nicht teurer sei als woanders, so Hintermayer. Die Asfinag hat 30 ihrer 87 Raststationen mit Ladestationen ausgerüstet, vier weitere sollen heuer dazukommen. Ende 2021/Anfang 2022 wolle man im Schnitt alle 65 Kilometer eine Ladestation haben. Bei Lkw sei der Weg noch unklar, hier fehle noch "die eine führende Technologie", was für den Transportsektor nicht gerade gut sei.

Mehr Lademöglichkeiten beim Arbeitsplatz gefordert 

E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer plädierte dafür, das Aufladen der Elektro-Pkw so weit wie möglich an den Arbeitsplätzen zu ermöglichen, am besten direkt verknüpft mit Photovoltaik-Anlagen. Damit könnten die durch E-Autos immer mehr ausgelasteten Abendstunden entschärft werden und die Fahrzeuge als Speicher für erneuerbaren Solarstrom dienen. Die E-Mobilität sei ein Partner für die Energieeffizienz und CO2-Reduktion, aber ein Konkurrent für die Erneuerbaren, weil im Winter die Deckung des Strombedarfs ohnedies schwierig sei, E-Autos dann aber mehr Energie benötigen würden. Die E-Auto-Reichweiten würden im Winter deutlich sinken, bei 30 Prozent E-Auto-Anteil stehe dieser Sektor verbrauchsseitig mit den Luftwärmepumpen in Konkurrenz.

Rechtslage im Wohnbau noch immer nicht geregelt 

Bernhard Kern von der E-Auto-Nutzerplattform EletroMobilitätsClub (EMC) machte sich ebenfalls für ein "Right-to-plug" auch für Mietwohnungen stark und kritisierte, dass es zum Wohnbau momentan eine Unwissenheit bzw. eine unklare Rechtslage gebe. Die Frage, was man wo fürs Laden zahle, müsse klar beantwortet sein. Die Abrechnung müsse auf Kilowatt (kW) basieren und sollte keinen Zeittarif beinhalten.

Urbantschitsch verwies dazu auf die geplante Einführung einer Leistungsverrechnung auf allen Netzebenen ("Tarife 2.1"). Eine Messung der Leistung anstelle von Arbeit steigere die Verursachungsgerechtigkeit und stärke die Effizienz. In Summe würden dabei die Erlöse der Netzbetreiber konstant bleiben, aber Haushalte, die sich netzdienlich verhalten oder ihr E-Auto langsam laden, belohnt - dafür Haushalte für schnelles Aufladen mit einem höheren Netznutzungsentgelt belastet, so Urbantschitsch.

Österreich verfügt aktuell über rund 7.800 Ladepunkte in etwa halb so vielen öffentlichen Ladestationen, EU-weit waren es Ende 2020 rund 225.000 im öffentlichen Bereich. In der EU waren 2019 eine Million reine E-Autos und 0,8 Millionen Plug-in-Hybride unterwegs, bei etwa 250 Millionen Fahrzeugen. Ziel der EU-Kommission sind bis 2030 zumindest 30 Millionen E-Autos in der EU und 3 Millionen öffentliche Ladestationen. In Österreich waren Ende 2020 erst 0,9 Prozent der Pkw "Stromer", samt Hybridautos waren es 2,6 Prozent des Pkw-Bestands von 5 Millionen Stück.