Automobil-Jahreskonferenz 2021

Das Jahr 2020 war für die Autobranche nicht mehr zu retten

In diesem Jahr fällt die Vienna Autoshow flach. Virtuell fand daher auch die Jahrespressekonferenz der Automobilwirtschaft statt. Diese stand ganz im Zeichen der Corona-Krise. Die Pandemie hat die Branche wie erwartet mit voller Härte getroffen.

Von

Normalerweise bietet die Vienna Autoshow die Plattform für die Jahrespressekonferenz der Automobilimporteure. In diesem Jahr bot das Internet die Plattform an, denn die Veranstaltung wurde virtuell abgehalten. Doch was heute präsentiert wurde, lässt kein gutes Haar am derzeitigen Branchenzustand. Im Gegenteil, die Bestandsaufnahme hat es in sich: Die Pkw-Neuzulassungen sind 2020 um ein Viertel gesunken,  für die Automobilbranche war es das schlechteste Jahr seit 33 Jahren.

Das untermauert Statistik-Experte Peter Laimer von der Statistik Austria mit entsprechenden Zahlen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 248.740 Pkw neu zugelassen. Zum Vorjahr (2019) entspricht das einem Minus von 24,5 %. Bei den Neuzulassungen entfielen 64 % auf juristische Personen (Unternehmen, Behörden, etc.), 36 % auf Privatkunden. Die Neuzulassungen bei Benzinern (Anteil: 43,3 %) nahmen um 39 % ab, jene von Dieselautos (Anteil: 36,5 %) um 28 %. Die Pkw-Gebrauchtzulassungen lagen 2020 mit 841.196 um 3,5 % unter dem Vorjahreswert (2019). 

Zweistellige Rückgänge bei Top-10-Marken

Im Krisenjahr 2020 konnte sich einmal mehr das SUV-Segment behaupten – mit einem Anteil von 31,5 % und 78.403 Fahrzeugen. Es folgten die Kompaktklasse mit 25,5 % (63.333 Fahrzeuge) und die Kleinwagen mit 19,5 % (48.480 Fahrzeuge). Nach Automarken betrachtet, blieb VW mit einem Anteil von 15,4 % Marktführer in Österreich, gefolgt von den Töchtern Škoda und Seat sowie BMW. Insgesamt mussten alle Top-10-Automarken zweistellige Rückgänge in Kauf nehmen - am härtesten traf es Opel mit minus 43,7 %

Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor betrug der durchschnittliche CO2-Ausstoß bei Benzinern 143 Gramm CO2/km (WLTP) beziehungsweise 121 Gramm CO2/km (NEFZ) und bei Diesel-Pkw 156 Gramm CO2/km (WLTP) beziehungsweise 127 Gramm CO2/km (NEFZ). Einen starken Rückgang gab es bei den Pkw-Tageszulassungen – 11.794 Einheiten bedeuten einen Rückgang von 33,4 %. Auch die Kfz-Gebrauchtzulassungen waren mit -3,5 % leicht rückläufig

E-Autos als Sieger der Pandemie

Die Corona-Krise spiegelt sich nicht in den Bestandszahlen wider, denn zum Jahresende 2020 überschritt der vorläufige Kfz-Bestand in Österreich erstmals die Sieben-Millionen-Marke. Das sind 1,5 % mehr Kfz als im Jahr 2019. Auf die anteilsmäßig wichtigste Fahrzeugart Pkw entfielen rund 5,1 Millionen Fahrzeuge, rechnet Peter Laimer, Kfz-Experte der Statistik Austria, vor. „Während sich die Zulassungszahlen benzin-und dieselbetriebener Pkw deutlich rückläufig entwickelten, legte die Zahl der mit alternativen Kraftstoffen betriebenen Pkw um fast das Doppelte auf 50.060 Fahrzeuge zu“, erläutert Laimer.

Diese Zunahme ist zum überwiegenden Teil auf Benzin-Hybrid-Pkw zurückzuführen (+105,5 Prozent auf 25.380 Fahrzeuge) - ausschließlich E-Autos verzeichneten einen Zuwachs von 72,8 Prozent auf 15.972 Fahrzeuge. Die Förderungen für Elektroautos schlugen voll ein – gerade im Unternehmensbereich. 81 % der Pkw mit reinem Elektroantrieb entfielen auf Firmenautos

Mehrere Gründe für Branchenkrise

Im Anschluss sprach Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure, von einer „dramatischen Entwicklung“, bedingt durch die Maßnahmen zur Pandemieeindämmung, drei Steuererhöhungen und eine extreme Kaufzurückhaltung bei Firmen und Privaten. Gerade Klein- und Mittelunternehmen hielten sich aufgrund der unsicheren Wirtschaftslage mit der Anschaffung von Firmenfahrzeugen zurück.

Massive Folgen hatten die vorübergehende Schließung der Verkaufsräume und Kfz-Zulassungsstellen sowie unterbrochene Lieferketten und Produktionsstopps bei den Autoherstellern. „Nach den ersten sechs Monaten wussten wir, dass das Jahr 2020 war für die Branche nicht mehr zu retten ist“, sagt Kerle. Derzeit sei seiner Ansicht nach noch keine positive Prognose für dieses Jahr möglich, es müsse die Lage der Automobilindustrie „stabilisiert“ werden, so Kerle. „Hier dürfen keine neuen finanziellen Belastungen für Unsicherheit sorgen. Erwünscht sind Maßnahmen, die den Markt ankurbeln“, betont Kerle.

"Im Normalfall sind die Monate des Frühjahrs für den Autohandel die verkaufsstärksten Monate“, ergänzt Klaus Edelsbrunner, Obmann des Bundesgremiums des Fahrzeughandels. Der Lockdown hat das Geschäft zunichte gemacht. Auch die Entwicklung des Gebrauchtwagenhandels sei 2021 schwierig, so Edelsbrunner. Belastend wirken die laufenden Kosten für die Gebrauchtwagenlager, zudem steigt allgemein die Insolvenzgefahr, da auch die gestundeten Steuern bezahlt werden müssen", so Edelsbrunner.

Erhöhungen des Jahres 2020 im Rückblick:

  • 1. Jänner: Erhöhung der NoVA - Umstellung auf Normverbrauchszyklus (WLTP)
  • 1.April: Neuberechnung des Kfz-Sachbezugs
  • 1.Oktober: Erhöhung der motorbezogenen Versicherungssteuer
  • 1. Dezember: Beschluss einer NoVA-Erhöhung und Einführung für leichte Nutzfahrzeuge (Fahrzeuge der Klasse N1) mit 01.07.2021