Fuhrpark

Arval Fleet Barometer zeigt Trends im Fuhrparkwesen

Mit einem Barometer für das Fuhrparkwesen hat Arval nun auch Österreich berücksichtigt. Welche Fuhrpark- und Mobilitätstrends 2020 eine wichtige Rolle spielen, erfahren Sie im Gespräch mit Brigitte Becksteiner-Bichler, Commercial Director bei Arval Austria.

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Das Arval Mobility Observatory ist in der neuesten Auflage des „Fleet Barometer“ der Frage nachgegangen, welche Fuhrpark- und Mobilitätstrends 2020 eine wichtige Rolle spielen. Erstmals ist auch Österreich mit Ergebnissen vertreten. 20 Länder wurden befragt. Befragt wurden 5.600 Fuhrparkleiter von Ende Jänner bis Ende März. 

Im Rahmen der Erhebung hat sich Arval auch mit Schlüsselthemen beschäftigt – darunter der Energie-Mix der Flottenfahrzeuge, neue Mobilitätsformen sowie Telematiksystemen und Digitalisierung.

Die Auswertung zeigt auch, wie Unternehmen ihren Fuhrpark finanzieren. Noch immer ist der Autokauf für Österreichs Fuhrparkmanager die erste Finanzierungsmethode (40 Prozent). Darauf folgt das Finanzierungsleasing, als die am zweithäufigsten genutzte Finanzierungsmethode in Österreich (30 Prozent). Mit Operating-Leasing werden hingegen nur 24 Prozent der heimischen Flotten finanziert.

© Arval

Kleinunternehmen halten an Selbstkauf fest

Kleine Unternehmen mit einer Größe von ein bis 99 Mitarbeitern setzen zu 38 Prozent auf Finanzierungsleasing, nur zehn Prozent gehen einen anderen Weg und entscheiden sich für Operating-Leasing. Selbstkauf liegt bei 48 Prozent, der klassische Autokredit bei vier Prozent. 

Eine Besonderheit: Sehr kleine Unternehmen (weniger als zehn Mitarbeiter) bevorzugen nach wie vor den Kauf eigener Fahrzeuge (59 Prozent des Gesamtkaufs), auch wenn Finanzierungsleasing (42 Prozent) und in geringerem Ausmaß Operating-Leasing (26 Prozent) in Betracht ziehen.

Operating-Leasing für größere Unternehmen

Größere Unternehmen (100 oder mehr Beschäftigte) entscheiden sich vorrangig dafür, ihre Flotten über Operating-Leasing (39 Prozent) zu finanzieren, noch vor dem Kauf (30 Prozent). Nur 21 Prozent von ihnen nutzen Finanzierungsleasing. Der Autokredit wird von zehn Prozent genutzt.

Außerdem ist jedes zweite Unternehmen in Österreich daran interessiert, bei der nächsten Erneuerung der Flotte auf Finanzierungsleasing  zu setzen. Operating-Leasing ist für 41 Prozent der heimischen Unternehmen attraktiv, wobei mittlere (zehn bis 99 Beschäftigte) und größere Unternehmen (100 bis 249 Beschäftigte) die größte Bereitschaft zeigen, auf Operating-Leasing umzusteigen.

Neue Mobilitätslösungen ja, Telematik eher nicht   

In drei Jahren werden Dieselfahrzeuge 52 Prozent der Flotten in Österreich ausmachen, ähnlich wie im europäischen Durchschnitt (49 Prozent). Jedoch haben bereits sechs von zehn Unternehmen alternative Technologien in ihrer Flotte integriert oder erwägen dies. Österreich ist vielen europäischen Ländern bei neuen Mobilitätslösungen voraus: 72 Prozent der Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern mindestens eine alternative Mobilitätslösung an, gegenüber 61 Prozent in Europa.

Beliebt sind in Österreich Kombinationen mit öffentlichen Verkehrsmitteln (41 Prozent), Ride-Sharing und Mid-Term-Rental (Langzeitmiete). Beim Einsatz von Telematik liegt Österreich weit hinter dem europäischen Durchschnitt. Nur 25 Prozent der österreichischen Unternehmen setzen diese Technologie für ihre Flotte ein, im Vergleich zu 33 Prozent der europäischen Unternehmen.

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FIRMENWAGEN: Hat die Corona-Krise Auswirkungen auf die Finanzierungsart – sprich wird jetzt mehr geleast als gekauft? 

Becksteiner-Bichler: Die langfristigen Auswirkungen lassen sich derzeit noch nicht abschätzen. Aktuell geht es jedoch darum, Unternehmen kurzfristig Erleichterung in Bezug auf ihre Liquidität zu schaffen. Bei bestehenden Leasingverträgen lässt sich das erreichen, indem man Laufzeiten verlängert. Wir machen das sehr unkompliziert und dieses Angebot wird von den Kunden sehr gut angenommen. Bei Unternehmen, die noch Kauffuhrparks haben, bieten wir auch an, die Fahrzeuge anzukaufen und auf Full-Service Leasing umzuwandeln, um gerade jetzt die dringend benötigte Liquidität sicher zu stellen.

Eine andere Möglichkeit ist Mid-Term Rental, die flexible Langzeitmiete, die derzeit besonders gerne genutzt wird. Man kann ein Auto aus unserer Flotte für wenige Wochen oder für mehrere Monate mieten; zeitlich sehr flexibel – mit allen gewohnten Vorteilen, die man aus dem Leasing kennt. Diese Mietautos sind etwa für Pendler und Mitarbeiter geeignet, die sich geschützt fortbewegen und derzeit öffentliche Verkehrsmittel vermeiden wollen.

FIRMENWAGEN: Der "klassische" Autokredit scheint immer weniger zu interessieren, woran könnte das liegen? 

Becksteiner-Bichler: Ich bin überzeugt, dass die Nachfrage nach sicheren und bequemen Mobilitätslösungen steigen wird. Immer mehr Unternehmen entscheiden sich für Full-Service-Leasing, denn diese Lösung erfordert keine Anzahlungen oder größere Investitionen. 

Zudem ist sie unkompliziert, weil sie alle Dienstleistungen (z.B. Wartung, Reifenwechsel, Tankkarte, Schadenmanagement etc.) einschließt. Aufgrund der hohen Anschaffungskosten werden E-Fahrzeuge bevorzugt geleast. Wir glauben, dass der Trend in Richtung Leasing durch die Corona-Krise noch beschleunigt wird.

FIRMENWAGEN: Laut Studie ist Öffi-Nutzung sehr beliebt als Mobilitätsangebot für Mitarbeiter. Ist hier durch die Corona-Krise ein gegenteiliger Trend erkennbar? 

Becksteiner-Bichler: Es stimmt, in Österreich ist die Kombination von Auto mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr beliebt. Kurzfristig sehen wir hier einen Rückgang, denn für viele ist die individuelle Mobilität jetzt die beste Option, um sich sicher fortzubewegen. Wobei man sehen muss, dass das Fleet Barometer Trends aufzeigt, die auch nach dem Abklingen der Krise Bestand haben. Gefragte Mobilitätsangebote sind neben der Öffi-Nutzung auch Ride-Sharing (Fahrgemeinschaften) und flexible Langzeitmieten.

FIRMENWAGEN: Österreich liegt beim Einsatz von Telematik weit hinter dem europäischen Durchschnitt. Spielen dabei die Datenschutzbedenken eine schlagende Rolle? Wie sieht das Arval beziehungsweise wie kann diese Angst ein Stück weit genommen werden? 

Becksteiner-Bichler: Es gibt zwei Gründe für den zögerlichen Einsatz von Telematik. Zum einen sind Flottenbetreiber nicht überzeugt, was den Nutzen betrifft. Zum anderen sind es Datenschutzgründe. Wir sind hier alle gefordert, noch mehr Aufklärungsarbeit zu leisten. Unsere digitalen Lösungen vereinfachen das Service für Firmenkunden, wie die Abrechnung und die Wartung, ungemein. 

Die dokumentierten Fahrzeugdaten wie Verbrauch, zurückgelegte Strecken oder beispielsweise das Fahrverhalten verbessern das Service und die Sicherheit und dienen nicht der Überwachung. Nutzer von Dienstwagen haben bei Telematik-Lösungen immer die Möglichkeit in einen Privat-Modus zu wechseln und den Detailgrad der Informationen an das Unternehmen zu limitieren.

FIRMENWAGEN: Was hat Sie beziehungsweise Arval an der Studie besonders überrascht?

Becksteiner-Bichler: Österreichs Flotten haben traditionell einen hohen Anteil an Dieselfahrzeugen. Derzeit liegt er bei über 80 Prozent. Überraschend ist für uns, dass viele Unternehmen in den nächsten drei Jahren den Dieselanteil deutlich auf 52 Prozent senken wollen. Über 40 Prozent wollen E-Autos bis dahin im Fuhrpark haben.