E-Autofahren

An der Ladesäule könnte doch alles so einfach sein, ist es aber nicht

Selbst überzeugte E-Autofahrer sind vom Zahlungssystem öffentlicher Ladesäulen wenig begeistert: Oft müssen sie nicht nur mehrere Ladekarten mitführen, es fehlt auch an Preis- und Kostentransparenz. Das kritisiert auch die Regulierungsbehörde E-Control. Vorstand Alfons Haber nennt jedoch Gründe, wieso das System rund um den Strom aus der Ladesäule so ist, wie es ist und nicht einfach mit Bankomatkarte gezahlt werden kann.

Eigentlich macht E-Autofahren Spaß, wer etwas anderes behauptet, ist entweder noch nie selbst damit gefahren oder auf ein paar Dinge gestoßen, die im Zusammenhang mit dem E-Auto als durchaus lästig bezeichnet werden können. Neben der heiß geführten Diskussion um die Reichweite von E-Autos gibt es ein Thema, dass das E-Autofahren im Vergleich zum Fahren mit Verbrennungsmotor im Vorhinein für viele unattraktiv macht und leider bei so mancher Stammtischdiskussion gegen die Elektromobilität ins Feld geführt wird: Das Laden.

Manche sehen Einschränkung der Autonomie

Insbesondere in knallharten Pro- und Contra-Diskussionen wird deutlich, dass die ablehnende Haltung gegen das E-Auto häufig aus der Sorge resultiert, dass die automobile Freiheit eingeschränkt wird. Überspitzt formuliert: Während die Flower-Power-Generation noch mit einem benzinbetriebenen VW Bulli nach Jesolo und Bibione gegondelt ist, und die einzige faktische Einschränkung der Grenzübergang war, sehen viele Menschen nun eine Limitierung der automobilen Autonomie durch die eingeschränkte Reichweite von E-Autos. Teil der Kritik ist der Ladevorgang, der mehr Zeit in Anspruch nimmt, als rasch ein paar Liter Sprit oder Diesel zu tanken, bevor die Reise fortgesetzt werden kann. Mit dem E-Auto müssen sich zudem Fragen gestellt werden, die es so nicht gab: Wie weit komme ich mit meinem aktuellen Ladestand, wie weit liegt die nächste Lademöglichkeit, wie lange dauert das Laden - und wie zahle ich dort meinen geladenen Strom?

Eine essenzielle Frage, die sich nicht pauschal beantworten lässt. Fakt ist, und das Kritisieren einige: Mit der Bankomatkarte jedenfalls nicht. Stattdessen führen E-Autofahrer in der Regel mehrere Ladekarten mit, um zahlen zu können. Dadurch wird das Laden von E-Autos an öffentlichen Ladepunkten unbequemer und komplizierter als es die bereits über viele Jahrzehnte hinweg etablierten Abläufe bei der Tankstelle sind. Doch es geht auch um die Transparenzfrage. Im Gegensatz zu den ausgewiesenen Preisen für Kraftstoffe bei Tankstellen, werden den Kunden bei öffentlichen Ladesäulen keine Preise für Cent pro Kilowattstunde angezeigt. Wer das E-Auto an die Säule anschließt, tappt also zunächst im Dunkeln, wie viel er gerade zu welchem Preis in das Fahrzeug lädt. Das Fehlen von Transparenz an der Ladesäule, aber vor allem auch der intransparente Tarifdschungel bei den Verträgen, wird kritisiert und braucht dringend Optimierung.

Ladesäulenbetreiber wollen Kosten sparen

Rund drei Viertel würden vor dem Laden gar nicht wissen, wie hoch die Kosten für das Laden sein werden, kritisiert die Regulierungsbehörde E-Control in diesem Zusammenhang. Gefordert wird eine gesetzliche Grundlage, die den Preisvergleich möglich macht. Doch warum fehlen „gläserne“ Abrechnungsmethoden und warum lässt sich nicht einfach mit Bankomatkarte oder Bargeld an den E-Ladesäulen zahlen? „Grundsätzlich ist der Betrieb einer Ladestelle ein gewöhnliches Gewerbe und nicht anders als ein Restaurantbetrieb, ein Lebensmittelnahversorger oder ein Friseurbetrieb“, sagt E-Control-Vorstand Alfons Haber im Gespräch mit dem firmenwagen-Magazin.

Dadurch seien die Betreiber der Ladesäulen auch entsprechend frei in der Wahl der Zahlungsmittel, die sie akzeptieren. „Der Grund, warum sich in der E-Mobilität die Bezahlung per Bankomatkarte nicht durchgesetzt hat, dürfte vor allem an den hohen Kosten liegen, die für den Betrieb und die Abrechnungen über Debitkarte von den Banken verrechnet werden“, vermutet Haber.  Da bislang die Zahl der E-Autos im Vergleich zum Ladenetz noch klein war, E-Autos grundsätzlich weniger Energie benötigen würden als Verbrenner und zudem ein Großteil des Stroms zu Hause oder in Betrieben geladen werden, fallen die Bankkosten bei den geringen Abnahmemengen an den Ladestellen überproportional ins Gewicht, so E-Control-Vorstand. Diese wollen sich die Betreiber offenbar sparen.

Die Krux mit dem Ladekarten-"Wirrwarr"

E-Control-Vorstand Alfons Haber geht davon aus, dass sich bei der E-Mobilität weitgehend das Modell der Ladekarte durchgesetzt haben dürfte. Einer unlängst von der E-Control durchgeführten Erhebung zufolge, besitzen 94% aller E-Autofahrer eine oder mehrere Ladekarten, haben also Verträge mit Anbietern von Ladedienstleistung.„Diese bringen durchaus Vorteile mit sich, vor allem einen im Vertrag mit dem Anbieter festgelegten Preis“, sagt Haber. Einen Vorteil hat das zumindest: Der Blick auf die Anzeigen an den Tankstellen, an den man sich als Fahrer von Benzin- oder Dieselautos gewöhnt hat, wird damit überflüssig.

Neben dem Aspekt des Sparens nennt der E-Control-Vorstand noch einen weiteren Aspekt, der für das Ladekarten-„Wirrwarr“ bei den Kunden sorgt: Die Ladeinfrastruktur-Anbieter kommen zum Teil aus ganz anderen Branchen und stehen nun in einem für sie neuen Wettbewerb zueinander. Die Mitbewerber versuchen durch vertragliche Basis Kunden längerfristig zu binden. „Man darf nicht vergessen, dass das E-Laden noch ein sehr junger Markt ist. Hier wird es voraussichtlich noch zu einer gewissen Vereinheitlichung kommen“, sagt Haber.

Ladenetz soll EU-weit besser sichtbar werden

Dem eigenen Grundsatz folgend, begrüßt die E-Control mehrere Angebote und Auswahlmöglichkeiten für die Verbraucher. „Das war vor 20 Jahren schon das Credo der E-Control, als der Strom- und dann der Gasmarkt liberalisiert wurde“, sagt Haber und ergänzt: „Die E-Control hat damals mit dem Tarifkalkulator für Haushaltsstrom und -gas genau für diese Vergleichbarkeit der Angebote und für die notwendige Transparenz gesorgt. Ganz analog sehen wir die Möglichkeit, auch im Markt der Ladekarten und -verträge, mit einem Kalkulator E-Autofahrern zum Durchblick zu verhelfen. Es bedarf jedoch noch der gesetzlichen Grundlagen. Als Behörde können wir natürlich nicht einfach umsetzen, was uns sinnvoll erscheint, sondern wir benötigen den Auftrag des Gesetzgebers.“

Auf die Frage, was sich aktuell auf europäischer Ebene in Sachen Ladeinfrastruktur tut, rückt der E-Control-Vorstand das Thema Interoperabilität in den Vordergrund: „Durch Schaffung von Standards sollen zum Beispiel Anbieter von Routing- und Navigationsservices in die Lage versetzt werden, für ganz Europa Ladestellen und Ladesäulen flächendeckend anzeigen zu können, ohne für jedes Land neue Anbindungen zu schaffen.“ Auch hier ist die E-Control als Österreichs Vertretung aktiv. „Unser Ladestellenverzeichnis erfüllt darüber hinaus bereits die geplanten Vorgaben, was Open Data und Schnittstellenstandard (Datex II) anbelangt“, betont Haberl ab.

Hinweis: Unter der Webseite ladestellen.at kann sich jeder Entwickler kostenlos anmelden und die Ladestelleninformationen für sein Service – sei es eine App oder ein Navi etc. – kostenlos nutzen.

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