Flott geschrieben

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Als der VW-Käfer noch nicht Beetle hieß und sich über den Katschberg quälte

Da ist wohl nichts mehr zu machen. Der letzte, direkte Nachfolger des Käfer, der Beetle, soll Ende kommenden Jahres vom Band rollen. Eine Elektrifizierung war wohl nicht geplant. Dabei hätte sich das kultige Auto doch gut dafür angeboten. Firmenwagen-Redakteur Lukas Klamert konnte nicht umhin, eine Trauerrede für das PS-Insekt zu schreiben.

Der VW Käfer meines Großvaters (Aufnahme zwischen 1956 und 1960). 

Meine Eltern sind in ihrer Jugend selbst noch mit einem Käfer gefahren. Das war in den 70er Jahren. Damals gab es freilich noch keinen durchgestylten „New Beetle“ auf dem Markt, sondern noch ein völlig schnörkelloses Modell mit schlechter Heizung und ohne praktischen Fahrbehelfen à la ABS und ESP. Meine Eltern fuhren anfangs sogar noch ein betagteres Modell mit Seitenwinkern anstelle von Blinkern, die in den 60er Jahren allmählich durch Warzenblinkern auf den Kotflügeln ersetzt worden sind. Hinten gab es sogar noch ein sogenanntes Brezelfenster. Doch das ist Schnee von gestern. Apropos Schnee von gestern. In einer netten Anekdote erzählte meine Mutter mir unlängst, dass die Fahrt über den Katschberg nur mit offener Motorhaube funktionierte – zur besseren Belüftung bei großer Anstrengung versteht sich. Einen Motorschaden wollte man keinesfalls riskieren, dafür reichten die finanziellen Mittel noch nicht.

Doch nun steht der Käfer, mit dem einst abenteuerliche Reisen erlebt worden sind, auf der Liste bedrohter Fahrzeugmodelle. Schlimmer noch, der VW-Konzern hat das Schicksal des Kultautos letzte Woche bereits besiegelt und lässt ihn Ende Juli 2019 - geradezu beiläufig - aussterben. Begründet wird das mit ernüchternden Verkaufszahlen. Mit dem Produktionsstop des Beetle geht aber nicht nur eine Kulturära zu Ende. Kaum ein Auto ist der Designlinie derart lange treu geblieben wie er. Man blicke nur auf aktuelle Fahrzeuge, die sich vor Facelifts gar nicht mehr retten können - immer in der Hoffnung der Konkurrenz voraus zu sein und dem Social-Media-Publikum zu gefallen. Doch am Ende gibt’s auch nur Einheitsbrei voller grimmig dreinschauender SUVs. Der Käfer ist aus einem gänzlich anderen Holz geschnitzt: Freundlich gucken die Scheinwerferäuglein in die Welt hinaus, von Aggression keine Spur – nicht mehr. Dass der wahnwitzige Verbrecher und Massenmörder Adolf Hitler das Auto für das deutsche Volk vorgesehen hatte, trat erst so richtig durch die Hippie-Bewegung in den Hintergrund. Make love not war statt Kraft durch Freude. Automobile Entnazifizierung eben. Die Bilder von blumenverzierten Käfer-Modellen sind heute vielen noch in Erinnerung. Gottseidank.

Doch wieso wagt der VW-Konzern nicht den Schritt zur Elektrifizierung? Das hätte dem ins Abseits geratenen Beetle den nötigen Esprit verleihen können, um wieder für bestimmte Zielgruppen attraktiv zu werden. Diese Möglichkeit lässt Volkswagen aber aus, stattdessen wird der „Buckel-Porsche“ in die ewigen Jagdgründe geschickt. Die Trauernachricht kommt zwar von den USA zu uns, aktuell wird er aber in Mexiko produziert. Volkswagen stoppte die Produktion in Deutschland bereits Anfang der 80er Jahre. Der New Beetle wurde 1997 eingeführt, designtechnisch war es aber für viele nicht mehr das Gleiche. Letztmals wird der Beetle im mexikanischen Puebla vom Band rollen. Was bleibt, ist die Hoffnung darauf, dass VW sein Kulturauto irgendwann wiederbeleben wird. Bloß dann ist das futuristische Design waren Fans wahrscheinlich zu fremd geworden. Für viele Bastler und Sammler ist ohnehin das klassische Retro-Modell der einzig wahre Käfer überhaupt.

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